Ärzte Zeitung, 17.10.2014

Versorgungsgesetz

Neue Leistungen für GKV-Versicherte

Neue Leistungen für GKV-Versicherte

Zweitmeinung, Beratung bei Langzeit-AU, bessere zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen: Das Versorgungsstärkungsgesetz schafft einige neue Leistungen.


Neue Leistungen für GKV-Versicherte

Bei der Zahngesundheit von Pflegebedürftigen will die Regierung nachbessern.

© ponsulak/fotolia.com

BERLIN. Wie aus dem Referentenentwurf für das neue Versorgungsstärkungs-Gesetz hervorgeht, werden für GKV-Versicherte einige neue Leistungen eingeführt.

Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung (Paragraf 22a): Die Mundgesundheit dieser Menschen ist schlechter als im Durchschnitt der Bevölkerung. Sie erhalten deshalb einen eigenständigen Anspruch auf Leistungen zur Verhütung von Zahnerkrankungen, insbesondere Erhebung des Mundgesundheitsstatus, Aufklärung über Mundhygiene, die Erstellung eines Plans zur individuellen Mund- und Prothesenpflege. Pflegepersonen sollen dabei einbezogen werden. Der Bundesausschuss soll dazu eine Richtlinie erlassen.

Blut-, Gewebe- und Organspende (Paragraf 27): Spender von Organen, Geweben oder Blut haben generell einen Anspruch auf Leistungen der Krankenbehandlung sowie auf Krankengeld.

Zweitmeinung (Paragraf 27b): Bei planbaren Eingriffen in Indikationen, bei denen das Risiko einer Indikationsausweitung besteht, sollen Patienten das Recht auf eine Zweitmeinung haben. Der Bundesausschuss muss festlegen, welche Eingriffe das sind und wer eine Zweitmeinung erbringen kann.

Entlass-Management (Paragraf 39): Bei Krankenhausbehandlung haben Patienten ein Recht auf Entlass-Management, das bislang nicht konsequent umgesetzt worden ist. Die Krankenkasse sollen dabei unterstützen. Kliniken dürfen nun zur Sicherstellung der Versorgung die jeweils kleinste Packungsgröße an Arzneimitteln zur für die Versorgung zu Hause verordnen dürfen.

Krankengeld und Beratung (Paragraf 44 Absatz 4): Versicherte, die lange Zeit krank sind und deshalb Krankengeld erhalten, bekommen nun einen Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung im Sinne eines unterstützenden Fall-Managements.

Die Krankenkassen können die betroffene Versicherten beispielsweise bei der Suche nach geeigneten Leistungserbringern, Terminvereinbarungen oder dem Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützen. Personenbezogene Daten dürfen die Krankenkassen nur mit Einwilligung der Versicherten nutzen. (HL)

Lesen Sie mehr über das geplante Versorgungsstärkungsgesetz:
Scharfe Instrumente für die Selbstverwaltung
Neue Leistungen für GKV-Versicherte
Sichere Versorgung wird Pflicht für Kassen und KVen

[17.10.2014, 18:58:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Vorteilhafte neue Leistungen für GKV-Versicherte - (unbezahlte) Mehrarbeit für Ärzte?
Es fehlt der Hinweis des Bundesministers für Gesundheit, Hermann Gröhe, dass bei der Blut-, Gewebe- und Organspende (Paragraf 27 im "Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung [GKV-VSG]") dies auch für die gesamte Private Krankenversicherung (PKV) und ihre Versicherten gelten muss: Spender von Organen, Geweben oder Blut haben generell einen Anspruch auf Leistungen der Krankenbehandlung sowie auf Krankengeld. Der PKV-Verband hat das als Problem offensichtlich immer noch nicht richtig begriffen.

Zur Zweitmeinung (Paragraf 27b GKV-VSG) bleibt die Frage völlig ungeklärt, wer das alles bezahlen soll? Es ist m. E. durchaus sinnvoll, nützlich und absichernd, bei planbaren Eingriffen in Indikationen, bei denen Risiken von Indikations-Ausweitungen oder -Unsicherheiten bestehen, das Patienten-Recht auf eine Zweitmeinung zu implementieren. Wenn der Bundesausschuss festlegen soll, welche Eingriffe das sind und wer eine Zweitmeinung erbringen kann, kann das jedoch n i c h t zu Lasten einer gedeckelten Gesamtvergütung zusätzlich erbracht werden.

Das Entlass-Management (Paragraf 39 GKV-VSG) hat durchaus seine Tücken: Bei Krankenhausbehandlung haben Patienten ein Recht auf Entlass-Management, das bislang nicht konsequent umgesetzt worden ist. Die Krankenkassen sollen dabei unterstützen. Kliniken dürfen nun zur Sicherstellung der Versorgung die jeweils kleinste Packungsgröße an Arzneimitteln zur für die Versorgung zu Hause verordnen dürfen. Dazu habe ich unter
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/870762/kliniken-verbotsvorbehalt-geruettelt.html
zu bedenken gegeben: "Dass Kliniken unseren Patienten/-innen Medikamente mitgeben sollen, ist für die Akutversorgung und am Wochenende sicher ein Fortschritt. Es bedeutet aber auch, dass für die dann 7-Tage-Folgemedikation der gesetzlich vorgeschriebene "Beipackzettel" wie auch während des gesamten stationären Aufenthalts n i c h t verfügbar ist. Die Patienten fallen erst aus allen Wolken, welche hochgefährlichen Medikamente sie bisher einnehmen sollten bzw. entdecken bisher unbemerkte Nebenwirkungen, wenn sie dann entsprechende Generika vom Haus- oder Facharzt verordnet bekommen. Denn die Klinikapotheken dürfen i. d. R. Sonder-Lieferverträge mit Originalherstellern als "door-opener" abschließen."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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