Ärzte Zeitung App, 18.12.2014

KV Westfalen-Lippe fordert

Honorarangleichung früher als 2017

Bis 2017 will die KV Westfalen-Lippe nicht warten, um eine Vergütungsanpassung zu erreichen. Anders als im Versorgungsgesetz vorgesehen, will sie schon 2016 Verhandlungen mit den Kassen aufnehmen.

Von Ilse Schlingensiepen

Honorarangleichung früher als 2017

Schon in 2016 soll gerechnet werden: Die KV Westfalen-Lippe will frühere Honorarverhandlungen.

© CHROMORANGE / Matthias Stolt

DORTMUND. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will sich dafür einsetzen, dass sie bereits im Jahr 2016 mit den Krankenkassen eine Angleichung der ärztlichen Honorare in der Region an den Bundesdurchschnitt verhandeln kann.

Der Referentenentwurf für das Versorgungsstärkungsgesetz sieht anders als ursprünglich vorgesehen dafür erst das Jahr 2017 vor.

"Damit ginge uns für ein Jahr eine Vergütungsanpassung verloren", sagte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung in Dortmund. Diese Belastung könne und werde man so nicht hinnehmen.

Die KVWL werde ihre Position in das Gesetzgebungsverfahren einbringen und habe schon erste Gesprächstermine, kündigte Dryden an.

"Das Geld ist im Land vorhanden"

Das Gesetz müsse den Anspruch der unterfinanzierten Regionen auf eine Angleichung und das notwendige Verfahren eindeutig und nicht interpretierbar festlegen.

"Wir wollen eine Finanzierung der morbiditätsbezogenen Gesamtvergütung, die der vorhandenen, bei uns abgearbeiteten Morbidität entspricht", sagte Dryden in Dortmund.

Dafür brauche es keinen Euro aus Bayern oder Baden-Württemberg. Schließlich würden die Krankenkassen aufgrund der Morbidität der Versicherten in der Region die Mittel aus dem Gesundheitsfonds erhalten, es aber nicht angemessen an die Ärzte weiterreichen.

"Das Geld ist hier im Lande vorhanden, nur die Krankenkassen machen sich zu Sparkassen", kritisierte er.

Die KVWL werde im Januar mit den regionalen Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen beginnen, kündigte Vorstand Gerhard Nordmann an. "Es wird dabei unter anderem um die Fixierung der Morbiditätssteigerung in dem Korridor gehen, der vom Bewertungsausschuss vorgegeben wird."

Die auf Bundesebene ausgehandelte Erhöhung des Orientierungspunktwertes um 1,4 Prozent werde in Westfalen-Lippe ein Plus von 41,2 Millionen Euro bringen. Für die Stärkung der hausärztlichen und der fachärztlichen Grundversorgung werden je 13 Millionen Euro fließen.

Der mit den Kassen ausgehandelte Bonus für die rationale Verordnung von Arzneimitteln wird nach Angaben von Nordmann 28,4 Millionen Euro bringen. Von der Gesamtsteigerung um 95,6 Millionen Euro werde ein guter Teil für die weitere Stärkung der Grundversorger verwendet, kündigte der KV-Vorstand an.

Keine Protestgruppen im Saal

"Grundsätzlich habe ich für 2015 und 2016 noch einige Ziele zusätzlich zur reinen Steigerung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung", betonte Nordmann in Dortmund.

Neben dem Kampf für die sockelwirksame Anhebung der Gesamtvergütung werde sich die KVWL auf Bundesebene bei den psychotherapeutischen Leistungen für eine EBM-Änderung einsetzen, kündigte er an. "Die Psychotherapeuten brauchen eine Honorarangleichung."

Die KVWL werde die Strategie beibehalten, die Zuwächse beim Gesamthonorar bedarfsgerecht und transparent zu verteilen. Das sei in den vergangenen Jahren gelungen - anders als in der KV Nordrhein gebe es in Westfalen-Lippe nicht bei jeder Vertreterversammlung protestierende Facharztgruppen im Saal.

"Mit unserer Honorarverteilung können wir nicht die Welt verändern. Aber wir nehmen sie aktiv als Steuerungsinstrument wahr."

Ganz oben auf der Agenda der KVWL steht nach Nordmanns Angaben eine "Vertragsoffensive" für die Bereiche, in denen das Honorar nicht budgetiert ist.

Über solche Verträge bekämen die KVWL-Mitglieder genau das Honorar, das sie erarbeitet haben. Von den drei Milliarden Euro, die in Westfalen-Lippe umgesetzt würden, seien inzwischen 832 Millionen Euro extrabudgetäres Honorar.

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