Ärzte Zeitung online, 02.09.2015

GKV-Spitzenverband findet

Es gibt zu viele Kliniken!

In Ballungsräumen sind viele Kliniken überflüssig - die könnten ruhig geschlossen werden. Dieser Ansicht jedenfalls ist Medienberichten zufolge der Vizechef des GKV-Spitzenverbands, Dr. Johann-Magnus von Stackelberg.

BERLIN. Medienberichten zufolge ist der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung der Ansicht, es gebe zu viele Krankenhäuser in Deutschland. "Es müssen Kliniken geschlossen werden, um die Patientenversorgung zu verbessern", sagte der Vizechef des Spitzenverbands, Dr. Johann-Magnus von Stackelberg, dem "Abendblatt".

Vor allem Kliniken, die eine unzureichende Qualität lieferten, sollten demnach geschlossen werden, wird Stackelberg in dem Bericht weiter zitiert. Der Verband gründet seine Auffassung eigenen Angaben zufolge auf Messungen der Entfernung, die Patienten in Krankenhäuser zurücklegen müssen.

Dabei sei aufgefallen, dass es Standorte in Ballungsräumen gebe, die man "ohne Probleme" schließen könne, ohne dass die Versorgung darunter leide. Eine solche Überversorgung gebe es in allen Bundesländern, vor allem aber in Nordrhein-Westfalen.

Die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Krankenhausreform sieht vor, Kliniken künftig stärker nach Qualität zu bewerten. Bei unzureichender Leistung drohen finanzielle Kürzungen. (eb)

[03.09.2015, 20:06:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Einfältigkeit der Argumentation ist nicht zu überbieten...
Da ist Dr. Johann-Magnus von Stackelberg und dem Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen wohl aufgefallen, dass vor allem Kliniken, die eine unzureichende Qualität liefern, geschlossen werden sollten. Was aber bei mangelhafter SpiBu-Expertise gar nicht von dort aus beurteilt werden kann.

Der Verband gründet seine Auffassung eigenen Angaben zufolge auf "Messungen der Entfernung, die Patienten in Krankenhäuser zurücklegen müssen"? Dabei sei aufgefallen, dass es Standorte in Ballungsräumen gebe, die man "ohne Probleme" schließen könne, ohne dass die Versorgung darunter leide. Eine solche Überversorgung gebe es in allen Bundesländern, vor allem aber in Nordrhein-Westfalen.

Die Anwendung verbindlicher Grundsätze der Logik werden dabei allerdings ausgehebelt:

1. Die Wege zwischen konkurrierenden Kliniken sind in den Ballungsräumen kürzer, weil dort m e h r Menschen auf kleinem Raum leben.

2. Die Versorgungssicherheit ist gerade d o r t bei Betten-Streichungen gefährdet.

3. Eine f i k t i v angenommene hohe Versorgungsdichte ist bei zugleich am dichtesten besiedelter Fläche des Bundeslandes NRW mit weit über 17 Millionen Einwohnern eine klassische K o n t r a d i k t i o n.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »