Ärzte Zeitung, 30.10.2015

Kassen-Finanzen

Die fetten Jahre sind vorbei

Der Aufbau der Finanzreserven der Kassen ist ein Spiegel der guten Konjunktur. Jetzt nahen magere Zeiten.

WIESBADEN. Das Finanzvermögen der gesetzlichen Krankenkassen ist rückläufig: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts hatten Krankenkassen im vergangenen Jahr ein addiertes Finanzvermögen von 36,5 Milliarden Euro.

Es wurde ganz überwiegend in Form von Sichteinlagen und Wertpapieren gehalten. Seinen vorläufigen Höchststand hatte das Finanzvermögen im Jahr 2013 erreicht. Damals bunkerten die Kassen Geld und Wertpapiere in Höhe von 40,4 Milliarden Euro. Vorausgegangen war dem ein starker Zuwachs seit 2010.

Sprunghaftes Wachstum

Vor fünf Jahren betrug das Finanzvermögen noch 28,3 Milliarden Euro, wuchs in den Folgejahren aber sprunghaft. Bereits 2012 hatte sich die Situation nach der Finanz- und Wirtschaftskrise so stark verbessert, dass das Bundesversicherungsamt (BVA) bei etlichen Kassen auf Prämienausschüttungen drängt. Das BVA begründete seinen Schritt damit, etliche Kassen wiesen Rücklagen von teils deutlich über 1,5 Monatsausgaben aus.

Kassen reagierten auf den Druck der Aufsicht - laut BVA-Jahresbericht schütteten neun Kassen im vergangenen Jahr insgesamt 706 Millionen Euro an Prämienzahlungen aus.

Doch die Entwicklung scheint zu kippen: Davon zeugt zum einen der Rückgang des Finanzvermögens um rund vier Milliarden Euro im Vergleich zu 2013. Warnsignale sendet zum anderen die Finanzentwicklung der GKV in den ersten beiden Quartalen: die Kassen verbuchten ein Minus von fast einer halben Milliarde Euro.

Bis Ende 2014 war die Finanzlage der GKV ganz überwiegend noch komfortabel. Nur acht Kassen konnten damals nicht die vorgeschriebene Mindestrücklage von 0,25 Monatsausgaben vorweisen. Viel hängt für die Kassen an der offiziellen Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrags für 2016: Am Freitag wird dazu die Entscheidung des BMG erwartet. (fst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »