Ärzte Zeitung, 30.05.2016

Weniger Fachärzte, mehr Skype-Sprechstunden

So könnte die Medizinversorgung der Zukunft aussehen

Mit einigen innovativen Lösungen wollen Gesundheitsexperten das deutsche Versorgungssystem fit für die Zukunft machen. Dabei spielt die Telemedizin eine Rolle. Und Patienten sollten längere Wege zum Facharzt akzeptieren.

Von Dirk Schnack

So könnte die Medizinversorgung der Zukunft aussehen

Sucht nach innovativen Lösungen für das Versorgungssystem: vdek-Leiter Armin Tank.

© Dirk Schnack

FLENSBURG. Leistungskonzentrationen in abgestuften Versorgungsmodellen, mehr Telemedizin und realistische Anspruchshaltung der Patienten - mit diesen Rezepten kann nach Vorstellungen von Experten die künftige Gesundheitsversorgung in Stadt und Land gelingen. In der Gesundheitsregion Nord an der dänischen Grenze suchen Beteiligte nach Lösungen, wie mit diesen Rezepten die Versorgung verbessert werden kann.

Beispiel Flensburg: Kliniken sollen kooperieren

Kooperativ und sektorenübergreifend: Dies sind für Dr. Christian Peters die Anforderungen, die an künftige Versorgungsmodelle gestellt werden. Der Anästhesist und Klinikdirektor des Flensburger Diakonissen-Krankenhauses ist erster Vorsitzender der Gesundheitsregion Nord.

Bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Versorgung empfahl er ein abgestuftes Versorgungsmodell mit hausärztlicher und pflegerischer Versorgung an der Basis, fachärztliche Versorgungszentren an ausgewählten Standorten und Kliniken mit einem aufeinander abgestimmten Leistungsangebot – in Anlehnung an den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR).

Peters: "Ärzte allein werden das Problem nicht lösen."

Die beiden Flensburger Krankenhäuser setzen dies bereits um: Wie berichtet ergänzen die zwei benachbarten und früher konkurrierenden Kliniken unterschiedlicher Träger schon seit einigen Jahren ihre Leistungsangebote und stimmen sich ab. Fest steht für Peters, dass berufsübergreifend über Lösungen nachgedacht werden muss: "Ärzte allein werden das Problem nicht lösen."

Dr. Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und bis vor kurzem ebenfalls Klinikarzt in Flensburg, riet dazu, "Versorgung neu zu denken". Das heißt für ihn: Nicht für jede medizinische Frage muss ein Arzt im persönlichen Kontakt verfügbar sein.

"Riesenchancen"steckt in Online-Sprechstunde

Viele telemedizinische Modelle seien bereits in der Regelversorgung oder in Erprobung. "Riesenchancen" sieht er etwa in Online-Sprechstunden. Nach seiner Überzeugung ist die Bevölkerung für solche Modelle aufgeschlossen und oft weiter als Standesvertreter oder die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Wie stark das Interesse im Norden an telemedizinischer Anwendung ist, bestätigt ihm einer der wichtigsten Partner, die es in der Region gemessen am Organisationsgrad gibt: Die Landfrauen. In mehreren Veranstaltungen wird Bartmann ab Herbst im Norden mit dieser Organisation über Versorgungsmodelle in der Fläche diskutieren. Spannend wird sein, welche Anspruchshaltung dabei formuliert wird. Denn nach Beobachtung von Armin Tank, Leiter des Ersatzkassenverbandes in Schleswig-Holstein, hat die in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass heute über einen Ärztemangel gesprochen wird - trotz steigender Arztzahlen und rechnerischer Versorgungsgrade, die mit Unterversorgung nichts zu tun haben.

Nach seiner Ansicht wird im Norden bereits viel unternommen, um den Ansprüchen gerecht zu werden: Zweigpraxen, finanzielle Anreize oder Insellösungen wie das Arztzentrum in kommunaler Trägerschaft in Büsum. In der stationären Versorgung sieht er keinen Standort in Schleswig-Holstein, der geschlossen werden sollte.

Weniger Fachärzte, dafür mehr Behandlungsqualität?

Wohl aber sollten Leistungen stärker konzentriert werden, empfahl Tank: "Viele Operationen haben wir nur einmal im Leben. Da ist ein weiterer Weg zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung durchaus zumutbar."

Auch im Kieler Gesundheitsministerium hält man eine Leistungskonzentration für zielführend. Dr. Renée Buck aus dem Ministerium riet außerdem zu einer weiteren Vernetzung und zu einem Ausbau neuer Vergütungsformen wie etwa Regionalbudgets.

Eine Idee, die im Ministerium nach wie vor verfolgt wird, stößt bei Ärzten jedoch auf Ablehnung: Eine Praxis auf Rädern, derzeit im Herzogtum Lauenburg für die Versorgung von Flüchtlingen unterwegs, halten Ärzte nicht für geeignet, um Versorgungsprobleme zu lösen.

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