Ärzte Zeitung, 06.07.2016

Rheinland-Pfalz

Teure Klinikbehandlung

Gutachten zeigt: Patienten werden gut versorgt, aber die Kosten liegen deutlich über dem Durchschnitt.

MAINZ. Eine große Anzahl gut ausgebildeter Pflegekräfte, eine hohe Patientenzufriedenheit und eine schnelle Erreichbarkeit, das zeichnet die Kliniklandschaft in Rheinland-Pfalz aus. Auf der eher negativen Seite stehen eine hohe Krankenhausdichte mit vielen kleinen Standorten, Doppelstrukturen vor allem in Ballungsgebieten und an Ländergrenzen. Die Folge: vorgegebene Mindestmengen werden häufig nicht erreicht. Hinzu kommt ein fehlender Wettbewerb mit privaten Krankenhausträgern, weil zwei Drittel der Kliniken im Land von freigemeinnnützigen Trägern betrieben werden.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Essener Institute for Health Care Business, das die rheinland-pfälzischen Krankenkassen in Auftrag gegeben haben.

Mit den Ergebnissen wollen die Kassen den Dialog mit Krankenhausträgern, Krankenhausgesellschaft und der Landesregierung suchen, kündigte die Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz Dr. Irmgard Stippler am Dienstag bei der Vorstellung des Gutachtens in Mainz an.

Obwohl die Patienten zufrieden sind, würden die Kassen gerne die Struktur der Kliniklandschaft in Rheinland-Pfalz ändern, denn die stationäre Versorgung ist hier besonders teuer, aber nicht unbedingt besser. So hat Rheinland-Pfalz bundesweit den höchsten Basisfallwert. Er liegt sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der Basisfallwert dient der Berechnung der Kosten, die die Krankenkassen den Krankenhäusern für stationäre Leistungen erstatten müssen.

Das heißt, er schlägt direkt auf die Ausgaben der Kassen nieder. "Was wir an Mehrkosten zu tragen haben ist beitragsrelevant", erklärt vdek-Chef Martin Schneider. In Rheinland-Pfalz kostet eine Blinddarmentfernung 3410 Euro, der bundesweite Durchschnitt liegt bei 3239 Euro. Umgerechnet auf alle Blinddarmentfernungen in einem Jahr zahlten die Kassen in Rheinland-Pfalz eine Million Euro mehr. Würden alle relevanten Indikationen zugrundegelegt, betrage die Summe 240 Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Rheinland-Pfälzer überdurchschnittlich häufig stationär behandelt werden. Das führt Professor Boris Augurzky vom RWI auch auf die geringe Facharztdichte in dem Flächenland zurück. (chb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »