Ärzte Zeitung, 15.08.2016

"Spiegel"

BVA kritisiert Kodierberatung der Kassen

HAMBURG. Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat die Praxis der Kodierberatungen von Krankenkassen für Vertragsärzte aufs Korn genommen. Das berichtet das Wochenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe.

So habe das BVA im noch unveröffentlichten Jahresbericht 2015 mehrere Kassen verpflichtet, "keine auf eine Nacherfassung hin ausgerichtete Diagnoseprüfungen mehr vorzunehmen".

Man müsse sicherstellen, dass bei den Beratungen „geltendes Recht beachtet“ werde. Die „Right-Coding“ oder „Up-Coding“ genannte Praxis soll dazu beitragen, dass die jeweilige Krankenkasse höhere Zuweisungen aus dem Morbi-RSA (Risikostrukturausgleich) bekommt.

Einige Krankenkassen geben Ärzte für die Änderung der ICD-Kodierungen sogar Geld. Derzeit versuchen vor allem Betriebskrankenkassen, aber auch einige Ersatzkassen, noch vor der Wahl eine Reform des Risikostrukturausgleiches zu erreichen.

Die Chefin des BKK-Landesverbandes Bayern, Sigrid König, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende, für die Wettbewerbsneutralität unter den einzelnen Kassen und damit für die Entwicklung der Zusatzbeiträge sei es sehr wichtig, dass die Reform bald angegangen werde.

Dies sei auch möglich, „weil die Daten seit 2011 auf dem Tisch liegen“.

König verlangte in drei Punkten sofortige Änderungen. So müsse dringend ein „Regionalfaktor“ eingeführt werden, weil die Kosten der Gesundheitsversorgung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen zum Teil extrem unterschiedlich hoch seien.

Auch beim Krankengeld, das stark von den Lohnkosten abhängig sei, könne man zielgenauer ausgleichen. Zudem müsse das Verteilungskriterium Erwerbsminderungsrente gestrichen werden. (ger/dpa)

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