Ärzte Zeitung, 14.04.2008

DARUM GEHT'S

Junge Zellen für die Forschung

Durch die Verschiebung des Stichtages können nun auch humane embryonale Stammzellen importiert werden, die erst vor einem Jahr hergestellt worden und damit viel jünger als bisher verfügbare Zellen sind.

Das bedeutet für Stammzellforscher, die eine Genehmigung für einen Import beim Robert-Koch-Institut in Berlin beantragen wollen, dass sie nun mit besseren Stammzellen für die Grundlagenforschung rechnen können. Weil die Zellen jünger sind, als die bisher verfügbaren Zellen, sind sie mit modernen verfeinerten Zelltechniken gewonnen und kultiviert worden. So gibt es inzwischen humane embryonale Stammzellen, für deren Isolierung und Kultivierung in Nährmedien zum Beispiel keine Mauszellen wie früher üblich erforderlich waren. Seit 2005 sind zudem Stammzellen verfügbar, die ganz ohne Nährzellen auskommen. Auch das Risiko für Mutationen in den Stammzellen, die im Laufe der Zeit auftreten, ist bei jungen viel geringer als bei alten Zellen.

Der Vorteil der humanen embryonalen Stammzellen ist, dass sie pluripotent sind, das bedeutet, dass sie sich in jede der etwa 200 Zellarten im menschlichen Körper entwickeln können. Für eine künftige Verwendung solcher Zellen für eine Zellersatztherapie etwa bei Patienten mit Diabetes mellitus oder bei neurodegenerativen Erkrankungen müssen die Wissenschaftler jedoch noch Wege finden, das Krebs auslösende Potenzial der embryonalen Stammzellen auszuschalten.

(ple)

Lesen Sie dazu auch:
Ein Stich für die Stammzellforscher

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
"Eine weit reichende Signalwirkung für die Wissenschaft"

SO IST DIE STAMMZELLFORSCHUNG IN ANDEREN LÄNDERN GEREGELT
Staats-Geld nur für alte Stammzelllinien
Dolly hat die Dämme gebrochen
Forschungsklonen - theoretisch verboten
Forschung ist seit Juli 2007 erlaubt
Keine Stichtagsregel für die Forscher

DIE DEBATTE ZUR STAMMZELLFORSCHUNG - AUSZÜGE AUS DEN BUNDESTAGSREDEN
Ich bin zu einer neuen Einschätzung gekommen
Glaubwürdigkeit wird beschädigt
Beide Forschungsansätze nötig
Die Tür wird nicht mehr zugehen
Stichtag war nicht erfolgreich
Stabile Übereinkunft für ethisches Dilemma
Keine Argumente für die Verschiebung

Lesen Sie dazu auch:
Bundestag erleichtert Stammzellimport
Bundestag liberalisiert das Stammzellgesetz
Ein winziger Zellhaufen für die Forschung - eine große ethische Frage für den Bundestag

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zeit für aggressive Maßnahmen

Viel Geschwätz, wenig Taten: Zeit für aggressive Weichenstellungen in der Diabetes-Prävention, meinen Fachleute. Sie fordern die Lebensmittel-Ampel und Steuern auf ungesunde Produkte. mehr »

Beim Thema Luftschadstoffe scheiden sich die Geister

Gesundheitliche Gefahren von Luftverschmutzung sehen Pneumologen vorrangig als ihr Thema an. Doch die Meinung der Fachärzte darüber ist nicht einhellig. Das zeigt sich auch im Vorfeld ihrer Fachtagung. mehr »

Patienten vertrauen auf Online-Bewertungen

In welche Praxis soll ich gehen? Ihre Entscheidung fällen Patienten zunehmend anhand von Online-Bewertungen – eine Chance für Ärzte, so eine neue Studie. mehr »