Ärzte Zeitung online, 20.02.2009

Kusch will keine Sterbehilfe mehr leisten

HAMBURG (dpa). Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch will keine Sterbehilfe mehr leisten. "Ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an", sagte der umstrittene Ex-CDU-Politiker dem "Spiegel".

Das Verwaltungsgericht in der Hansestadt hatte dem 54-Jährigen Anfang Februar in einem Eilverfahren verboten, Menschen beim Selbstmord zu unterstützen. Gegen diese Entscheidung hatte Kusch noch Beschwerde eingelegt. Der dpa sagte er am Freitag, er werde die Beschwerde auf jeden Fall zurückziehen: "Die Gerichtsverfahren werden beendet."

Seinen Meinungswandel begründete der Jurist mit den Schwierigkeiten, in Deutschland legal die notwendigen Medikamente zu bekommen: "Sie müssen immer mit Tricks und Heimlichkeiten arbeiten, und das finde ich am Lebensende unwürdig", sagte Kusch dem "Spiegel". Ihm sei inzwischen klar geworden, wie belastend diese Situation für alle Beteiligten sei.

Im Juni 2008 hatte Kusch zunächst einer 79 Jahre alten Frau aus Würzburg Sterbehilfe geleistet und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Ermittlungsbehörde stufte den Tod der Frau nach deren Obduktion als Suizid ohne Fremdbeteiligung ein. Ausgangspunkt der Hamburger Ermittlungen war dann der Tod einer 84 Jahre alten Rentnerin in der Hansestadt Ende September 2008. Der Ex-Justizsenator hatte die lebensmüde Frau beim Selbstmord unterstützt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 54-Jährigen wegen des Anfangsverdachts eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Die Behörde untersucht, ob er verschreibungspflichtige Medikamente weitergegeben hat. Die Ermittler hatten Ende November Kuschs Büro und Wohnungen durchsucht. Mehrere Menschen, die mit ihm in Kontakt standen, wurden von den zuständigen Behörden angesprochen. "Derartigen obrigkeitsstaatlichen Druck will ich den Sterbewilligen und mir künftig ersparen", sagte Kusch dem Magazin.

"Nun hat das Geschäftemachen mit dem Tod und der Angst ein Ende", erklärte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Die Politik müsse nun handeln, damit das Problem nicht ins Ausland verschoben werde. "Die Angst vor schlechter Pflege und vor Fehlversorgung am Lebensende ist allgegenwärtig."

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