Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Mehr Sicherheit bei Vaterschaftstests gefordert

KÖLN (akk). Die Deutsche Gesellschaft für Abstammungsgutachten (DGAB) fordert eine transparentere und bessere Ausbildung von Sachverständigen für Vaterschaftstests. Die Gesellschaft begrüßt das im April vom Bundestag beschlossene Gendiagnostikgesetz, sieht aber einen erheblichen Verbesserungsbedarf zur Sicherstellung der Qualifikation der Gutachter.

Das neue Gesetz regelt unter anderem "Genetische Untersuchungen zur Klärung der Abstammung". Demnach sind heimliche Vaterschaftstests strafbar und Gerichte dürfen die Tests nur noch bei akkreditierten und somit überprüften Laboren in Auftrag geben. Diese Institute müssen sich nach den europäischen ISO-Normen richten und beispielsweise ein Qualitätsmanagement nachweisen. Die Mehrzahl der Labore, die Vaterschaftstest vor allem im Internet anbieten, muss solche Kriterien allerdings nicht erfüllen.

"Der Markt für Abstammungsgutachten ist nicht offiziell reguliert", sagt Professor Peter Schneider vom Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln und Präsident der DGAB. Jeder könne sich theoretisch die notwendigen Geräte kaufen und Vaterschaftstests anbieten, ohne ein Medizin- oder naturwissenschaftliches Studium nachweisen zu müssen. "Den meisten Auftraggebern von Vaterschaftstests ist nicht bewusst, was gute Qualität ist, und sie können die Leistungen nicht nachprüfen", sagt Schneider. Sie wenden sich aus Kostengründen oft an Billiganbieter aus dem Internet, die mit Vaterschaftstests ab 100 Euro werben. Diese Anbieter schicken oft nur das Testergebnis, und der Auftraggeber kann nicht erkennen, was überhaupt untersucht wurde. "Wir brauchen mehr Sicherheit und Transparenz, denn an den Ergebnissen dieser Tests hängen Schicksale", sagt Schneider. Der genetische Fingerabdruck sei gerade in der Beurteilung von Vaterschaftsfällen oft nicht so eindeutig, wie die Auftraggeber meinen. Die Anbieter von Vaterschaftstests bräuchten fundiertes Fachwissen, Erfahrung und einen geschulten Blick um auch kompliziertere Fälle beurteilen zu können.

Ein besseres Ausbildungsangebot für die Sachverständigen soll diese Sicherheit gewährleisten. Schneider fordert überprüfbare Standards in der Ausbildung der Gutachter, die mit einer Facharztausbildung vergleichbar sein soll. Die DGAB will eine eigene Fortbildungsordnung erstellen, die die Möglichkeit gibt, die Qualifikation eines Fachabstammungsgutachters zu erlangen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »