Ärzte Zeitung online, 14.09.2009

Transfusions-Experte: Blutspende-Boni wären ethisch heikel

ROSTOCK (dpa). Finanzielle Anreize für Blutspender könnten nach Einschätzung des Rostocker Medizinprofessors Volker Kiefel zwar die Spendenbereitschaft erhöhen, würden aber ethische Probleme aufwerfen. International gelte "bezahltes Blut" als verpönt, weil man damit auch Spender anlocken würde, die unzuverlässig oder krank sind.

Ein Bonussystem dürfte zudem Menschen gefährden, die durch immer neue Spenden ihren Körper überlasten. Geringe Aufwandsentschädigungen seien bei kommunalen Blutspendediensten dagegen "etablierte Praxis", sagte der Transfusions-Experte zur dpa. Kiefel leitet kommende Woche eine Fachtagung zu dem Thema in Rostock.

Erhielten Freiwillige Prämien oder an der Blutmenge orientierte Honorare, könne dies vermehrt Spender anziehen, die etwa bereits eine Hepatitis-Vorerkrankung gehabt hätten, erklärte Kiefel. Neue Strategien zur Verbesserung der Versorgung mit Blutkonserven sollen vom 15. bis zum 185. September auch beim 42. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) erörtert werden, zu dem sich laut Kiefel rund 800 Fachleute angemeldet haben.

Die vor allem zur Sommerzeit übliche Knappheit von Spenderblut sei in diesem Jahr nicht so dramatisch ausgefallen, räumte Kiefel ein. Gespendetes Blutplasma ist maximal 49 Tage haltbar. Versorgungslücken tun sich im Sommer immer wieder auf, wenn potenzielle Spender im Urlaub sind. "Es gibt aber neuerdings unerwartete Knappheitsphasen Anfang des Jahres - offenbar wegen der Häufung von Feiertagen."

Eine besondere Herausforderung für Mecklenburg-Vorpommern blieben der starke Wegzug jüngerer und der geringe Zuzug älterer Leute. "Die Demografie ist deshalb auch ein Thema", sagte Kiefel mit Blick auf die Rostocker Konferenz. "Man hat hier den Verlust der klassischen Spender-Altersgruppe. Es bleiben die Älteren, die nicht mehr spenden dürfen." Die Richtlinie der Bundesärztekammer, wonach über 68- Jährige in Deutschland nicht mehr zur Blutspende gehen sollen, seien aus medizinischer Sicht indes kaum nachzuvollziehen. "Hat das Alter Einfluss auf die Qualität des Blutes? Da gibt es wenig Belegbares."

www.blutspende.de
www.drk-mv.de

Zum Thema Blutspende hat die Ärzte Zeitung kostenlose Informationen für Patienten und für Fachkreise zum Download zusammen gestellt

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »