Ärzte Zeitung, 15.03.2010

Kommentar

Hexenjagd im Dopingsumpf

Von Thomas Müller

Es ist sicher lobenswert, wenn alles Mögliche getan wird, um den Dopingsumpf im Sport trocken zu legen, doch sollte man dabei auf dem Boden der Tatsachen bleiben: Der Antidoping-Kampf darf nicht zur Hexenjagd werden. Ein bloßer Verdacht darf nicht reichen, jemanden auszuschließen und öffentlich bloßzustellen.

Wie leicht man sich aufs Glatteis begibt, wenn man Urteile aufgrund indirekter Hinweise fällt, zeigt die Causa Claudia Pechstein. Die gesperrte EisschnelllaufOlympiasiegerin hatte zu hohe Retikulozyten-Werte. Dafür kann tatsächlich Blutdoping die Ursache sein, dahinter können aber auch genetische und physiologische Gründe stecken. Der entscheidende Punkt ist: Mit absoluter Sicherheit lassen sich solche physiologischen Ursachen nicht immer ausschließen.

Sollte es Claudia Pechstein tatsächlich einer milden Kugelzellen-Anämie zu verdanken haben, dass sie gesperrt wurde, wäre dies eine Blamage für die Dopingfahnder. Hinweise auf Blutdoping sollte man sicher ernst nehmen, Beweise müssen in solchen Fällen aber andere liefern, nicht die Labormediziner.

Lesen Sie dazu auch:
Seltene Blutanomalie bei Claudia Pechstein nachgewiesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »