Ärzte Zeitung online, 23.11.2010

USA: Hinrichtungen mit Tierarznei

WASHINGTON (dpa). Weil in den USA Natrium-Thiopental knapp geworden ist, hat ein Richter jetzt Exekutionen mit einem Mittel zum Einschläfern von Tieren erlaubt.

USA: Hinrichtungen mit Tierarznei

Giftige Spritze: In den USA wird Natrium-Thiopental knapp, der erste Bundesstaat greift deswegen auf eine Tierarznei zurück.

© Mardre / fotolia.com

Die Regierung im US-Bundesstaat Oklahoma hatte sich für den Einsatz von Pentobarbital um eine Genehmigung bemüht, nachdem auch dort Natrium-Thiopental zur Mangelware wurde. Bezirksrichter Stephen Friot habe dem Ersuchen nun stattgegeben, wie das "Wall Street Journal" am Montag meldete.

Das Barbiturat Natrium-Thiopental wird als einer der drei Stoffe für die Giftspritze verwendet und soll im ersten Schritt den Delinquenten betäuben. Im zweiten Schritt wird ein Muskelrelaxans, etwa Pancuronium eingesetzt. Zuletzt folgt eine letale Dosis Kaliumchlorid.

Der Bundesstaat argumentiert nun, Pentobarbital sei nach Auffassung von Tierärzten ein "ideales Betäubungsmittel, für das humane Einschläfern von Tieren". Folglich sei es Natrium-Thiopental ähnlich.

Der Mangel an dem Barbiturat hatte bereits in einer Reihe von Staaten Hinrichtungen verzögert, unter anderem auch in Kalifornien. In Arizona wurde unlängst ein Häftling mit Natrium-Thiopental hingerichtet, das aus Großbritannien geliefert wurde.

Nach Angaben der Zeitung "The Oklahoman" wird Pentobarbital auch beispielsweise bei der ärztlich begleiteten Sterbehilfe in den Niederlanden oder im US-Bundesstaat Oregon eingesetzt.

In den USA gibt es nur einen einzigen von der zuständigen Behörde zugelassenen Hersteller von Natrium-Thiopental, Hospira im Staat Illinois. Die Firma hat aber die Produktion vorübergehend eingestellt.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers ist ein wichtiger pharmazeutischer Bestandteil des Mittels nur sehr schwer erhältlich. Die Firma, die nach eigenen Angaben gar nicht glücklich über die Verwendung ihres Produkts bei Exekutionen ist, erwartet aber, das Mittel Anfang nächsten Jahres wieder anbieten zu können.

Anwälte von Todeskandidaten in Oklahoma hatten gegen den Einsatz des Tier-Betäubungsmittels protestiert und argumentiert, der Staat dürfe keine unerprobten Substanzen verwenden.

Laut Verfassung seien Häftlinge vor grausamer oder ungewöhnlicher Strafe geschützt. Pentobarbital sei noch nie bei Exekutionen benutzt worden. Der Staat Oklahoma hielt dagegen, mit dem Mittel seien durchaus Menschen ins Koma versetzt worden.

Wie Natrium-Thiopental wirke es auf das zentrale Nervensystem und mache effektiv bewusstlos. Richter Friot entschied nun, dass der Einsatz von Pentobarbital "unterhalb der Risikoschwelle" liege, dass Häftlinge Qualen leiden müssten.

Die nächste Hinrichtung in Oklahoma ist für den 16. Dezember geplant. John David Duty hatte 2001 einen Zellengenossen umgebracht.

Mit der Entscheidung von Richter Friot wird auch die Aussetzung der Exekution von Jeffrey Matthews aufgehoben, der wegen Mordes an einem Verwandten die Giftspritze bekommen soll.

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