Ärzte Zeitung, 15.02.2011

Organspende: CSU-Basis für Widerspruchslösung

BERLIN (hom). Auf dem kleinen CSU-Parteitag am vergangenen Wochenende in München haben sich die Delegierten mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass bei der Organspende die erweiterte Widerspruchslösung greifen soll.

 Danach soll jeder Bundesbürger Organe spenden, so er dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. In Deutschland gilt derzeit die Zustimmungsregelung, nach der ein potenzieller Spender seine Bereitschaft zur Organspende dokumentiert haben muss. Die CSU erhofft sich durch die Widerspruchslösung eine Erhöhung der Zahl der vergleichsweise geringen Organspender in Deutschland.

In Deutschland warten derzeit 12.000 Patienten auf ein Spenderorgan. Etwa drei Patienten versterben täglich, weil für sie kein geeignetes Organ zur Verfügung steht. Die Bundärztekammer hatte sich erst kürzlich gegen eine Umwandlung der Zustimmungs- in eine Widerspruchsregelung ausgesprochen.

Letztere sei aus ethisch-religiösen Gründen nicht durchsetzbar und führe nur zu einer Verunsicherung der Menschen, hatte die BÄK argumentiert.

[15.02.2011, 11:41:22]
Dr. Karl Breu 
Leserbrief zum Artikel Organspende: CSU-Basis für Widerspruchslösung und der Verweigerungshaltung des Vorstandes der Bundesärztekammer
Nach dem Bayerischen Ärztetag und der bayerischen Jungen Union haben jetzt auch die Delegierten des kleinen CSU-Parteitages am vergangenen Wochenende in München mehrheitlich beschlossen, dass bei der Organspende die erweiterte Widerspruchslösung greifen soll.
Der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) spricht sich jedoch regelmäßig gegen eine Umwandlung der Zustimmungs- in eine Widerspruchsregelung aus und führt vor allem ethisch-religiöse Gründe an.
Dabei ignoriert er wieder einmal einen Beschluss der Hauptversammlung der BÄK, nämlich des Deutschen Ärztetages 2010 in Dresden zur Optimierung der Organspende. Dort sprachen sich die gewählten Vertreter der Deutschen Ärzteschaft nicht nur für eine Intensivierung der bereits eingeleiteten strukturellen, organisatorischen und finanziellen Maßnahmen aus, sondern forderten gleichzeitig eine zeitnahe neue Rechtsnorm im Sinne einer Widerspruchsregelung.
Diese Verweigerungshaltung des -aus diesem Gremium gewählten- Vorstandes ist mit meinem Demokratieverständnis nicht vereinbar und stellt die Sinnhaftigkeit der Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung in Frage.
Beim Deutschen Ärztetag 2011 in Kiel stehen Neuwahlen an.
Ein Präsidentschaftskandidat ist der Vizepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery, der die öffentliche Diskussion über Organspende für ethisch nicht vertretbar hält und der sich zuletzt am 10.02.2011 gegen die vom Ärzteparlament beschlossene Widerspruchsregelung ausgesprochen hat.

Dr. Karl Breu
Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Weilheim-Schongau
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