Ärzte Zeitung online, 13.05.2011

Nutzen des Imports neuerer Stammzelllinien ist unklar

BERLIN (fst). Ob die Verschiebung des Stichtags für den Import von humanen embryonalen Stammzellen sich positiv auf den Forschungsstandort Deutschland ausgewirkt hat, vermag die Bundesregierung nicht zu sagen.

Nutzen des Imports neuerer Stammzelllinien ist unklar

Menschliche embryonale Stammzellkolonie: Einen Import von Stammzellen hat die ZES laut Bundesregierung bislang in 63 Fällen zugestimmt.

© dpa

Die Verschiebung des Stichtags für den Import humaner embryonaler Stammzellen nach Deutschland war im Jahr 2008 ein bioethisches Topthema im Bundestag. Seitdem dürfen Stammzell-Linien, die nach Deutschland verbracht werden, nicht nach dem 1. Mai 2007 abgeleitet worden sein.

Befürworter hatten damals argumentiert, diese Verschiebung könne sich positiv auf den Forschungsstandort Deutschland auswirken.

ZES hat 63 Importe zugestimmt

Doch drei Jahre später liegen der Bundesregierung dazu "keine Kenntnisse vor", heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Nach der Rechtslage bis 2008 ermöglichte das Stammzellgesetz vom Juni 2002 Wissenschaftlern in Deutschland nur in Ausnahmefällen den Import von embryonalen Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 etabliert worden waren.

Erlaubt ist ein Import zudem nur dann, wenn die Nutzung humaner embryonaler Stammzellen "hochrangig und alternativlos" ist. In bisher 63 Fällen hat die zuständige Zentrale Ethikkommission für Stammzellenforschung (ZES) einem Import zugestimmt, berichtet die Regierung.

Davon profitiert haben 49 natürliche oder juristische Personen in 36 Einrichtungen aus 14 Bundesländern.

Schwerpunkt liegt auf adulte Stammzellen

Der Schwerpunkt der vom Bund geförderten Forschungsprojekte liegt dem Volumen nach eindeutig in der Forschung mit adulten Stammzellen. 85 solcher Projekte werden mit insgesamt 72,8 Millionen derzeit unterstützt.

Dagegen werden lediglich neun Vorhaben, in denen mit humanen embryonalen Stammzellen gearbeitet wird, mit 3,8 Millionen Euro vom Bund bezuschusst.

Dabei stellt die Regierung klar, dass darunter keine Projekte sind, "die auf eine absehbare Anwendung von humanen embryonalen Stammzellen zur Therapie gerichtet sind. Mehrere der genehmigten Projekte beschäftigten sich vielmehr mit Wirkstoff-Screenings und pharmakotoxikologischen Tests für die Entwicklung neuer Medikamente, heißt es in der Antwort.

Wie viele Anträge von der ZES abgelehnt wurden, ist unklar

Ob und wenn ja, wie viele Forschungsanträge von der ZES abgelehnt wurden, weil sie nicht die Kriterien des Stammzellen-Gesetzes erfüllen, werde nicht veröffentlicht, stellt die Regierung klar. Generelle Maßstäbe für die "Hochrangigkeit" oder "Alternativlosigkeit" eines Forschungsvorhabens ließen sich nicht angeben, weil die nötigen Abwägungen je nach Projekt sehr spezifisch seien.

In 59 der 63 genehmigten Anträge habe die Ethikkommission ein einstimmiges Votum abgegeben, in vier Fällen mit Mehrheit beschlossen. Bislang drei Mal haben Forscher oder Forschergruppen gegen ablehnende Anträge Widerspruch eingelegt.

In zwei Fällen war dies erfolglos, ein Antrag wurde nach erneuter Überarbeitung schließlich doch genehmigt.

In keinem der Regierung bekannten Fall sei es bisher zu einem Import von embryonalen Stammzellen ohne Genehmigung gekommen. Es gibt aus Sicht des Bundesforschungsministeriums keinen Anlass für Änderungen am Stammzellen-Gesetz oder den administrativen Abläufen durch die ZES.

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