Ärzte Zeitung, 18.10.2011

Kommentar

Ethik kann die Wirtschaft lenken

Von Martin Wortmann

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wann sie beginnt, hat nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden: Mit der Befruchtung der Eizelle. Bescheiden merken die Luxemburger Richter dazu an, dass es ihnen nicht zusteht, ethische oder medizinische Fragen zu beantworten. Dennoch haben sie genau dies getan, klar und eindeutig.

Das Urteil beweist einmal mehr, dass die EU nicht nur eine Wirtschafts- sondern auch eine Wertegemeinschaft ist - und dass auch die obersten Richter der EU nicht nur die Wirtschaft, sondern ebenso diese gemeinsamen Grundwerte im Blick haben.

Im Fall Brüstle waren beide Elemente im Widerstreit. Die ethischen Bedenken, so die Stammzellenforscher, bremsten den raschen medizinischen Fortschritt. Schnell war von milliardenschweren Anwendungen die Rede.

Doch das Ergebnis zeigt, dass sich solche ethischen Diskussionen lohnen, auch wenn sie Jahre dauern. Im Streit um die Stammzellenforschung fand sie nicht nur rechtlich ein gutes Ende. Sie hat auch eine Forschung ausgelöst, mit der der Missbrauch menschlicher Embryonen als bloßes Material weitgehend überflüssig wird. Ethik kann Wirtschaft lenken - das macht Mut.

Lesen Sie dazu auch:
Gerichtshof: Kein Patent auf humane Embryonen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Saufen und Abstinenz fördern anscheinend Prostatakrebs

Ein Glas Wein tut der Gesundheit wohl gut. Aber: Viel- und Nichttrinker bekommen eher Tumore. Wie kommt dieser Widerspruch zustande? mehr »

Zwischen Schnittwunden und Schnapsleichen

Während Millionen Besucher das 183. Oktoberfest feiern, sichert das Rote Kreuz hinter den Kulissen die medizinische Versorgung. In seiner Notfallambulanz sind bis zu elf Notärzte und 130 Sanitäter im Einsatz. mehr »

Mehr Honorar durch Selbstanalyse

Honorarspielräume gibt es auch im EBM - allerdings nur dann, wenn Ärzte einige wichtige Regeln befolgen, sagt ein Abrechnungsexperte. mehr »