Ärzte Zeitung, 18.03.2013

Ethik und Ökonomie

Keine unvereinbaren Gegenpole

Ethische Werte sollten integraler Teil des Klinikmanagements sein, forderten Experten beim Bayerischen Gesundheitsforum.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. Darf man mit der Heilung von Menschen Geld verdienen? Ja, sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer.

Aber, fügt der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hinzu, Menschen zu helfen sei etwas ganz Besonderes.

Deshalb gelte es eine Balance zu finden zwischen der Ökonomie und der besonderen ethischen Verantwortung, die sich aus der Beziehung zum Patienten ergibt.

Größtmögliches Ausmaß an Gesundheit

Ethik und Ökonomie seien keine unvereinbaren Gegenpole, betonte der Medizinethiker Professor Georg Marckmann von der Universität München beim 12. Bayerischen Gesundheitsforum im Kloster Andechs.

Nicht nur unter ökonomischen, sondern auch unter ethischen Gesichtspunkten sei es geboten, ein bestimmtes Behandlungsziel bei einem Patienten mit möglichst wenig diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu erreichen.

Nach dem ethischen Prinzip der Nutzenmaximierung sollten begrenzt verfügbare Ressourcen so eingesetzt werden, dass das größtmögliche Ausmaß an Gesundheit resultiert, erläuterte Marckmann.

Allerdings schlage sich der zunehmende Kostendruck in den Krankenhäusern einerseits in medizinisch teilweise nicht mehr indizierten Leistungsausweitungen und andererseits in unkontrollierten Leistungseinschränkungen nieder, erklärte Marckmann.

Dieser zunehmenden Ökonomisierung "mehr Ethik" entgegenzusetzen, scheine wenig aussichtsreich. Stattdessen sollten ethische Werte integraler Bestandteil des Krankenhausmanagements mit normativen Vorgaben etwa in einem Leitbild sein.

Durch regelmäßige Mitarbeiterbefragungen könnte die Einhaltung des Leitbildes abgesichert werden, meinte Marckmann.

Medizin nicht zum Gewerbe herabstufen

Die Gesellschaft befinde sich in einer Situation, in der die Werte, die ärztliches Handeln bestimmen, immer mehr marktwirtschaftlichen Zielen unterstellt werden, bedauerte der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer Dr. Max Kaplan.

Es bestehe die Gefahr, dass die Industrialisierung der Medizin und die Fremdbestimmung des Arztes die Gesundheit der Bürger bedroht.

Die Ärzteschaft werde es deshalb nicht zulassen, dass die Medizin zum Gewerbe herabgestuft werde, sondern weiterhin eine soziale Form der Zuwendung bleibe, erklärte Kaplan.

Der zentrale Bereich jeder ärztlichen Behandlung sei nach wie vor das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Empathie, Altruismus und Philanthropie als Werte ärztlichen Handelns müssten wieder im Vordergrund stehen, sagte Kaplan. Ausschließlich ökonomische Anreize seien fatal.

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