Ärzte Zeitung, 01.07.2013

Kommentar zur britischen IvF

Zweifelhafte Pioniertat

Von Peter Leiner

Die Begeisterung der Briten kennt bei neuen medizinischen Entwicklungen keine Grenzen. Das ist bei der Option, die Mitochondriopathien mithilfe einer modifizierten künstlichen Befruchtung zu verhindern, nicht anders.

Embryonen, die so geschaffen werden, haben Gene des Zellkerns von Vater und Mutter sowie Gene einer anonymen Eizellspenderin - und zwar das Erbgut genetisch unversehrter Mitochondrien -, also eigentlich von drei Elternteilen.

Tierversuche mit dieser IvF sind bisher erfolgreich verlaufen. Und so bereiten die Briten nun die gesetzlichen Grundlagen vor, dass das Verfahren bald auch betroffenen Paaren angeboten werden kann.

Es wird eine Pioniertat sein. Aber abgesehen davon, dass völlig unklar ist, ob das Verfahren bei Menschen sicher ist, stellt sich die Frage, ob so schwer verlaufende Krankheiten wie Mitochondriopathien es rechtfertigen können, dass Gene, die nicht von Vater und Mutter stammen, sondern von einer dritten Person, an künftige Generationen weitergegeben werden, ohne dass sich derzeit die Folgen auf molekulargenetischer, zellulärer, aber auch gesellschaftlicher Ebene auch nur ansatzweise abschätzen lassen.

Es geht zwar nur um einen Anteil von weniger als einem Prozent an fremdem Genmaterial, aber der kann es in sich haben.

Lesen Sie dazu auch:
Mitochondrien-Ersatz: Briten wollen umstrittene IvF erlauben

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »