Ärzte Zeitung App, 18.11.2014

Transplantations-Skandal

Angeklagter Arzt zieht vors Arbeitsgericht

Transplantationschirurg klagt gegen seine Zwangsversetzung und will wieder in der Leberchirurgie eingesetzt werden.

GÖTTINGEN. Seit fast 16 Monaten verhandelt das Landgericht Göttingen gegen den früheren Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Universitätsklinikum.

Jetzt muss sich auch das Göttinger Arbeitsgericht mit dem Transplantationsskandal beschäftigen: Der frühere stellvertretende Leiter des Lebertransplantations-Programms klagt dort gegen seine Zwangsversetzung.

Die Universitätsmedizin Göttingen hatte dem Oberarzt nach der Aufdeckung von Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen sämtliche Aufgaben in der Abteilung entzogen und ihn in die Allgemeinchirurgie umgesetzt.

Der Oberarzt will dies nicht hinnehmen und wieder als Chirurg und Operateur in der Lebertransplantation und Leberchirurgie eingesetzt werden.

Er begründet seine Klage damit, dass ihm keine Verfehlungen im Rahmen des Transplantationsskandals zum Vorwurf gemacht werden könnten. Allein der Umstand, dass über Jahre ein Ermittlungsverfahren geführt werde, ohne dass sich Verdachtsmomente gegen ihn ergeben hätten, rechtfertige nicht die Entziehung seiner Funktion.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Entdeckung der Manipulationen auch gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Angaben einer Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde ist das Verfahren weiter anhängig, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Die Universitätsmedizin Göttingen macht geltend, dass der Kläger einen regulären Arbeitsvertrag als Oberarzt habe. Er habe keinen Anspruch darauf, in einer bestimmten Klinik oder Abteilung eingesetzt zu werden.

Hintergrund der Umsetzung sei die Rufschädigung durch den Transplantationsskandal. Man habe den Bereich so umstrukturiert, dass dort keiner der seinerzeit verantwortlichen Ärzte mehr tätig sei.

Dies gelte auch dann, wenn sich eine Beteiligung des Klägers an den Manipulationen nicht nachweisen lasse. (pid)

[19.11.2014, 00:48:50]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Danke Frau Kolleginnen, nicht nur, dass Kollektivbestrafung schon in der Schulklasse als Verfehlung gilt
... ein "Immageschaden" ist selbstvertständlich KEIN arbeitsrechlich ausreichender Versetzungsgrund.
Eine "Immageschaden" erscheint mir eher die peinliche und indiskutabel ANONYME Antwort von der "Universitätsmedizin Göttingen" zu sein.
Also liebe Ärzte Zeitung, was soll denn das ???
Ist ein hoch qualifizierter Leberchirurg etwa nicht "Universitätsmedizin Göttingen" ?
Das möchte der Leser bitte doch etwas genauer wissen.
Im Staatsdienst gibt es bei Beamten im höheren Dienst ab Ministerialdirektor (MD) den Begriff des "politischen Beamten", der z.B. bei Regierungswechsel ohne Angabe von Gründen versetzt werden kann, sogar in den vorgezogenen Ruhestand.
Werden jetzt Ärzte zu politischen Beamten gemacht, die WER BITTE beliebig hin und her schieben kann?
Der Leser hätte hier gerne einen Namen für die "Universitätsmedizin Göttingen" !!! zum Beitrag »
[18.11.2014, 15:47:43]
Johanna Dielmann-von Berg 
Transplantationsskandal
Zum obigen Beitrag und bereits früheren "Beiträgen und Kommentaren" gibt es wohl noch sehr viel zu sagen, im Vorhinein aber auch das Eine:
Wie anfällig muss unser Gesundheits-und Krankenhaussystem sein, wenn man sich nicht scheut um von eigenen systembedingten Unzulänglichkeiten abzulenken, sofort zur pauschalen Vorverurteilung zu greifen, anstatt eine seriöse Auf- und Abklärung ab zuwarten. Auch bei den betroffenen Kliniken bzw. Verantwortlichen vermisse ich Anstand und Stehvermögen ihren Mitarbeitern gegenüber. Solange sie Geld für die Klinik "einfuhren" waren sie akzeptiert oder gar willkommen und hofiert. Aber wehe es rüttelt Einer am Image. Die "angeschuldigten" Mitarbeiter, die weder gegen Geldvorteilsnahme für sich und ohne groben operativen Behandlungsfehler tätigen waren haben, solange bis das Gegenteil bewiesen wird, Anspruch auf Loyalität oder zumindest "Duldung und Akzeptanz" in ihrer, hochqualifiziertn bisherigen operativen Tätigkeit. Eine "unbegründete Zwangspause schädigt das Ansehen und die operativen Fähigkeiten eines hochqualifizierten Leberchirugen. Chirurgie ist und bleibt ein praktikables Handwerk und bedarf damit des täglichen adäquaten "Trainings". Irgendwann sind wir wieder soweit,dass wir hochqualifizierte Spezialisten suchen, weil wir sie zuvor selbst kaltgestellt haben. Das betrifft auch andere Kliniken in der BRD.
Wenn wir der Transplantationsmedizin wieder zu einem besseren Ansehen und vor allem höherer Effizienz verhelfen wollen, dann sollten weitgehend alle ärztliche Kollegen(innen)sich zur Organspende dokumentiert verpflichten, alle dafür geeignete Krankenhäuser bereit sein und dies auch praktizieren, in geeigneten Fällen die Voraussetzungen zur Organentnahme sofort zu gewährleisten (techn. + ökonomisch)und die Transplantation von Organen nach korrekten internationalen Richtlinien auch national umsetzen.
Kein Arzt sollte künftig sich selbst und seine Familie von einer Organentnahme ausschließen unter dem Motto (leider so bekannt und praktiziert)"... lass Dich bloß nicht für eine Organentnahme 'ausweiden' ."
Als engagierter Chirurg glaube ich weiterhin an einen progredienten Fortschritt.
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