Ärzte Zeitung, 17.06.2015

Kommentar zu Public Health

Global und lokal denken

Von Anno Fricke

Es ist nicht banal, nur weil schon oft gesagt, wenn Wissenschaftler in Deutschland fordern, dass die gesundheitlichen Auswirkungen aller Politikfelder mehr als heute bei Entscheidungen mitgedacht werden müssten. Es ist überlebenswichtig.

Die Welt ist verletzlich geworden. Dieses Bewusstsein ist bei den Mächtigen der Welt angekommen, wie der G 7-Gipfel in Elmau gezeigt hat. Zu Recht verweisen die Wissenschaftler der Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und die Union der Akademien der Wissenschaften darauf, dass Gesundheitspolitik mehr ist als das Organisieren medizinischer Versorgung.

Freihandelsabkommen, die Energiewirtschaft, die Digitalisierung des Alltags, der Arbeitsdruck in entwickelten Gesellschaften, die Abwesenheit von ausreichend Erwerbsarbeit in armen Ländern, die Migration - alles hängt irgendwo auch mit Gesundheit zusammen oder sogar mit deren Verlust. Das muss klar werden.

Der Blick über die Grenzen ist richtig, eine Analyse der öffentlichen Gesundheit im Inland aber auch wichtig. Den Gesundheitsämtern fehlt Personal, in Berlin sind die Masern ausgebrochen, Kinder aus armen Familien haben auch in Deutschland geringere Bildungs- und Gesundheitschancen.

Lesen Sie dazu auch:
Public Health: Öffentlicher Gesundheitsdienst muss gestärkt werden

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