Ärzte Zeitung online, 08.01.2009

Deutlicher Rückgang bei Organspenden - Stiftung fordert Reformen

BERLIN (dpa). Ungeachtet aller Kampagnen für mehr Organspenden hat es im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang gegeben. "Wir werden unter 15 Spendern pro einer Million Einwohner liegen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste in Berlin kurz vor Veröffentlichung der offiziellen Gesamtbilanz (wie kurz berichtet). 2007 habe es noch 16 Spender pro einer Million Einwohner gegeben.

Jeden Tag sterben im Schnitt drei Menschen auf der Warteliste für Spenderorgane. Rund 12 000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ. 2007 hatten 1313 Menschen nach ihrem Tod insgesamt 4139 Organe gespendet.

In Belgien, den USA, Österreich, Frankreich, Italien und Finnland gibt es mehr als 20 Organspender pro Million Einwohner, beim Spitzenreiter Spanien sind es mehr als 30.

Kirste forderte durchgreifende Reformen vom Gesetzgeber, von den Ländern sowie von der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. "Wir müssen in Deutschland endlich die Verantwortlichkeiten klären." Als "organisierten Blödsinn" kritisierte er die Vorgabe des Transplantationsgesetzes der Organspende als Gemeinschaftsaufgabe. "Dahinter kann sich jeder verstecken", so Kirste zur dpa.

Der DSO-Vorstand forderte nach spanischem Vorbild, es müsse in den großen Kliniken ausschließlich für die Koordination der Organspende und für die Gespräche mit den Angehörigen zuständige Mitarbeiter geben. Heute müssten sich ausgelastete Intensivmediziner zusätzlich darum kümmern.

Kritik übte Kirste am Bundesausschuss von Kliniken, Krankenkassen und Ärzten, der für die Messung der Klinikqualität verantwortlich ist: Ob Kliniken Hirntote gemäß ihrer Verpflichtung als Spender melden, werde nicht als Qualitätsmerkmal gemessen. Die Kompetenzen der DSO müssten zudem deutlich gestärkt werden, forderte Kirste.

Zu den aktuellen Gründen für den Spenderrückgang 2008 zählte Kirste "unsägliche Debatten" über eine angebliche Bevorzugung von Privatpatienten sowie Unsicherheiten in Kliniken aufgrund der Änderung des Gewebegesetzes.

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