Ärzte Zeitung, 09.01.2009

Warum gibt es viel zu wenig Organspender?

Vor dem erwarteten Bericht der Bundesregierung zur Lage nach zehn Jahren Transplantationsgesetz fordern Experten umfassende Reformen

BERLIN (dpa). Für tausende Kranke bestimmt banges Warten das Leben. Auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein, ist für viele ein Todesurteil. Jeden Tag sterben im Schnitt drei Menschen auf der Warteliste. Spenderorgane sind trotz grundsätzlich großer Spendebereitschaft in Deutschland Mangelware - mehr als in anderen EU-Ländern.

Im vergangenen Jahr hat es sogar erstmals seit Jahren einen deutlichen Rückgang gegeben - nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auf unter 15 Spender pro einer Million Einwohner. Vor dem erwarteten Bericht der Bundesregierung zur Lage nach zehn Jahren Transplantationsgesetz fordern Experten umfassende Reformen.

"Die Verteilung wird immer schwieriger, weil es immer weniger Organe gibt", sagt Roland Hetzer, Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin. 79 Prozent der Menschen stehen dem Spenden der eigenen Organe nach dem Tod laut einer Forsa-Umfrage positiv gegenüber - aber nur 14 Prozent haben einen entsprechenden Ausweis. Rund 12 000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ.

Etwa 4000 Organe werden pro Jahr gespendet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Fachministerin Ulla Schmidt (SPD) unterstützen Kampagnen zur Spende, millionenfach wurden 2008 Ausweisformulare unter die Leute gebracht. Durchgreifende Verbesserungen aber sind aus Sicht von Kritikern nicht absehbar.

"Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es zu selten", kritisiert Hetzer. DSO-Vorstand Günter Kirste sagt: "Die Krankenhäuser sind völlig überfordert damit." Stress auf den Intensivstationen und klamme Kassen prägen den Alltag vieler Kliniken. Krankenhausärzte nehmen sich oft nicht die Zeit, angesichts des Todes eines Patienten auf die trauernden Angehörigen zuzugehen und die heikle Frage zu erläutern: Wie stand der Tote wohl zur Organspende?

Die Organentnahme selbst verursacht zusätzliche Arbeit. Kirste fordert nach Beispiel des Musterlandes Spanien die generelle Ausstattung großer Krankenhäuser mit extra für die Organspende zuständigen Beauftragten. Wer bekommt in Zeiten des Mangels ein rettendes Organ, wer muss warten? Wer ohne Einstufung als Fall mit hoher Dringlichkeit auf der Warteliste landet, hat zunächst oft wenig Chancen.

Der Medizinrechtler Jochen Taupitz, Mitglied des Deutschen Ethikrats, spricht sich für eine Aufwandsentschädigung bei der freiwilligen Abgabe einer Niere aus. Andere Experten sehen das Operationsrisiko mittlerweile als so weit gesunken an, dass Organe von Hirntoten nicht mehr unbedingt Vorrang haben sollten. "Die Politik muss sich mehr um die kranken Menschen kümmern als um theoretische Vorbehalte", verlangt Hetzer. Der Mediziner befürwortet die etwa in Österreich gültige Widerspruchsregelung: Jeder ist hier ein potenzieller Organspender - außer der Gestorbene hat einen ausdrücklichen Einspruch hinterlassen oder seine Angehörigen sind dagegen. Bei Ministerin Schmidt stößt diese Forderung auf taube Ohren. Sie findet, "dass der Mensch selbst entscheiden muss". Auch Kirste ist skeptisch. Das Kernanliegen des DSO-Chefs ist ein Ende des Kompetenzwirrwarrs: "Wir brauchen eine Organisation mit klaren Kompetenzen."

Ein Bericht des Gesundheitsministeriums zur Wirkungsweise des Transplantationsgesetzes verzögert sich seit längerem und soll nun im ersten Halbjahr vorgelegt werden.

www.dso.de

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