Ärzte Zeitung, 14.01.2009

In Deutschland sinkt Zahl der Organspenden

FRANKFURT AM MAIN (eb). Die Zahl gespendeter Organe ist in Deutschland deutlich gesunken: Sie lag 2007 bei 4140 und 2008 nur noch bei 3495. Auch die Zahl der Organspender sei gesunken und zwar um fast neun Prozent, teilt die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) mit. Sie ging von 16 auf 14,6 pro eine Million Einwohner zurück. Jährlich sterben in Deutschland etwa 1000 Patienten auf der Warteliste für ein Organ.

In Deutschland doppelt rückläufig: die Zahl der Organspender und die Zahl gespendeter Organe.

Nierenpatienten warten durchschnittlich fünf bis sechs Jahre auf eine Transplantation.

Die Organspende ist laut Transplantationsgesetz als Gemeinschaftsaufgabe vieler Beteiligter wie Krankenhäuser, Gesundheitsverwaltungen, Ärztekammern und Ministerien definiert. Genau darin sieht Professor Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO, das Problem: "Jeder kann sich hinter dem Begriff Gemeinschaftsaufgabe verstecken, es gibt zu wenige Verbindlichkeiten", kritisiert der Mediziner und fordert klare Zuständigkeiten und Qualitätskontrollen. Das deutsche System sei schlecht strukturiert, deshalb würden viele Spender gar nicht erst erkannt, bemängelt Kirste."Die Anzahl der Spenden lässt sich auch in Deutschland durch geeignete Strukturen verdoppeln", dies hätten Studien der DSO ergeben, sagte Professor Dr. Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO. Kirste plädiert dafür, dass die DSO von sich aus in Kliniken tätig werden kann und nicht wie derzeit praktiziert, lediglich auf Anfrage aktiv werden darf.

Foto: Destinyvp ©www.fotolia.de

Als Erfolgsmodell für die Umsetzung der Organspende sei Spanien mit 34 Spendern pro eine Million Einwohner. Der Erfolg des Systems liege in der übergeordneten Zuständigkeit der Spendeorganisation für die Bereiche Spendererkennung, Spenderbehandlung, Gesprächsführung mit den Angehörigen sowie der Organisation aller Abläufe. In jedem relevanten Krankenhaus werden Beauftragte als Teil der Spendeorganisation bestellt. Zusätzlich wird ebenfalls unter Beteiligung der Spendeorganisation eine Evaluierung aller Todesfälle vorgenommen, um zu prüfen, ob eine Organspende möglich gewesen wäre.

Nach Auffassung der DSO liegt der Schlüssel für eine Verbesserung der Organspendesituation in Deutschland in der Schaffung dieser strukturellen Voraussetzungen. Eine Aufnahme der Verpflichtung zur Organspende als verbindliches Kriterium für die Bewertung der Klinikqualität hält der kaufmännische Vorstand der DSO, Dr. Thomas Beck, "für längst überfällig". "Es nützt nichts, immer wieder auf die spanischen Erfolge hinzuweisen. Wir müssen das Modell hier in Deutschland wollen und umsetzen", erklärte Beck weiter. Beide Vorstände fordern, dass die Kompetenzen der DSO als bundesweite Koordinierungsstelle maßgeblich gestärkt und ausgeweitet werden, um ihrem Auftrag einer effizienten Steigerung der Organspende zukünftig konsequenter nachkommen zu können. "Es ist an der Zeit, dass die DSO nicht länger als Bittsteller dasteht. Organspende muss für alle Beteiligten zur Selbstverständlichkeit werden. Das sind wir den 12 000 Menschen schuldig, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung auf ein lebensrettendes Organ warten", so Beck. Die Bevölkerung sei grundsätzlich bereit, zu helfen. Laut aktueller Forsa-Umfrage stehen rund 80 Prozent der Organspende positiv gegenüber.Zu den aktuellen Gründen für den Rückgang der Organspende zählen laut DSO auch die Unsicherheiten in den Kliniken aufgrund der Änderung des Gewebegesetzes. Die jetzt gültigen Vorschriften hätten das System derart kompliziert und bürokratisiert, dass Ärzte in Krankenhäusern auf die Meldung eines Spenders eher verzichten, als sich in einem für sie undurchschaubaren Rechtsgebiet zu engagieren.

Jahresergebnisse 2007 / 2008 der einzelnen DSO-Regionen

Bundesweit haben vergangenes Jahr 1198 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe für schwer kranke Patienten gespendet. Das sind 8,8 Prozent weniger als 2007. Damit ist die Zahl der Organspender pro einer Million Einwohner von 16 in 2007 auf 14,6 in 2008 gesunken. Die Zahl der gespendeten Organe hat sich dabei von 4140 auf 3.945 reduziert. Insgesamt konnten in Deutschland im vergangenen Jahr 4050 Transplantationen vorgenommen werden, 2007 waren es noch 4251. Der Rückgang bei den Organspendezahlen zieht sich durch alle Organspenderegionen mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen. Entgegen dem bundesweiten Trend verzeichnet das Bundesland sogar eine Steigerung von knapp acht Prozent (Quelle: DSO).

Weitere Infos:
www.dso.de

www.fuers-leben.de

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