Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 19.01.2010

"Zahl der Organspender ist weiterhin alarmierend niedrig"

FRANKFURT AM MAIN (eb). Das Jahr 2009 brachte keine nennenswerte Steigerung der Organspende in Deutschland, kritisiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Organisation will jetzt Maßnahmen ergreifen, damit mehr Menschen mit einer Organspende das Leben gerettet werden kann.

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Immer noch gibt es zu wenig Organspender: Täglich sterben in Deutschland drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. © ill/Ärzte Zeitung

Insgesamt haben 2009 bundesweit 1 217 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet, um schwer kranken Patienten zu helfen, so die DSO. Das seien 19 Spender mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner habe sich mit 14,9 gegenüber dem Vorjahr (14,6) kaum bewegt. Gleichzeitig sei die Zahl der gespendeten Organe um 48 zurückgegangen, sodass für die Patienten auf der Warteliste aus Deutschland 3 897 Organe zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Zahl der Transplantationen sei bundesweit mit 4 050 gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben.

"Der Organmangel in Deutschland ist nach wie vor alarmierend. Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie drei Menschen täglich auf der Warteliste für ein Spenderorgan versterben", erklärt der Medizinische Vorstand der DSO, Professor Günter Kirste.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die DSO auf die kritische Entwicklung hingewiesen und durchgreifende Reformen nach spanischem Vorbild gefordert. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie man die Organspendezahlen steigern könnte, um mehr Patienten auf der Warteliste zu retten.

Die Zahl der Organspenden hängt von zwei entscheidenden Faktoren ab. Zum einen von der Zustimmung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen und zum anderen von dem Engagement der Krankhäuser, deren gesetzliche Aufgabe es ist, die DSO als bundesweite Koordinierungsstelle über alle potenziellen Spender zu informieren. "Doch gerade an dieser entscheidenden Stelle hakt es", bemängelt Kirste und fordert nach den jahrelangen Diskussionen endlich Taten.

Um die Abläufe besser zu vernetzen und die Krankenhäuser im Organspendeprozess zu entlasten, haben die DSO, das Bundesgesundheitsministerium und die Deutsche Krankenhausgesellschaft im Juli 2009 auf Basis des Transplantationsgesetzes gemeinsame neue Leitlinien verabschiedet. Vorbild war dabei das Vorzeigeland Spanien, das es aufgrund seiner spezifischen Strukturen in der Zusammenarbeit zwischen Koordinierungsstelle und Kliniken auf immerhin 34 Spender pro eine Million Einwohner bringt.

Mehr Spendermeldungen erhofft sich die DSO deshalb vor allem von dem auf zwei Jahre angelegten und von der DSO zunächst finanzierten Pilotprojekt zur "Inhousekoordination". Das Projekt orientiert sich am "spanischen Modell" und sieht einen oder mehrere Krankenhausmitarbeiter vor, die dafür sorgen, dass die DSO über alle potenziellen Organspender informiert wird. Außerdem berichten sie der Koordinierungsstelle quartalsweise über die Situation der Organspende in ihrer Einrichtung. Auf diese Weise soll eine engere Verzahnung mit der DSO gewährleistet werden.

"Bisher haben sich fast 70 Universitätskliniken und Krankenhäuser mit neurochirurgischer Intensivstation diesem Projekt angeschlossen", erklärt der Kaufmännische DSO-Vorstand, Dr. Thomas Beck. "Wünschenswert wäre, dass sich möglichst alle 151 großen Kliniken in Deutschland beteiligen, um eine zeitnahe und flächendeckende Verbesserung der Situation zu bewirken. Die Chance, die Organspende auf Basis einer intensiveren Zusammenarbeit zu fördern und dadurch Menschenleben zu retten, darf nicht verschenkt werden", fordert der DSO-Vorstand nachdrücklich.

www.dso.de und www.fuers-leben.de

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