Ärzte Zeitung online, 19.09.2010

Kauder will Organspende-Hinweis im Pass

ESSEN (eb). Nach den Vorstellungen von Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder soll künftig in Personalausweisen und Führerscheinen festgehalten werden, ob ein Bürger als Organspender zur Verfügung steht.

Nach der Bereitschaft zur Organspender solle jeder bei der Beantragung neuer Papiere befragt werden, sagte Kauder den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe am Samstag. Mit der Regelanfrage wolle er erreichen, "dass die Menschen sich Gedanken darüber machen müssen".

In seiner Fraktion werde darüber "schon seit einiger Zeit" diskutiert. Er rechne mit einem Vorschlag der Koalition "noch im Laufe dieses Jahres".

Kauder beklagte gegenüber der WAZ, dass in Deutschland im europäischen Vergleich zu wenig Menschen als Organspender bereitstünden. Die Klagen darüber seien "mehr als berechtigt". Kauder: "Wir fordern viele Organe und bringen viel zu wenige ein. Deswegen müssen wir verstärkt dafür werben."

Nichts hält Kauder allerdings von dem Vorschlag, dass nur derjenige im Ernstfall ein Organ bekommt, der selbst einen Spenderausweis habe. "Das ist ethisch nicht vertretbar", sagte er den WAZ-Titeln. Zugleich sprach er sich gegen eine Widerspruchslösung aus.

In Ländern wie Spanien oder Schweden wird grundsätzlich eine Bereitschaft zur Organspende angenommen. Wer dagegen sei, müsse dann ausdrücklich widersprechen. "In Schweden hatten wir einen Wechsel von Zustimmung zur Widerspruchslösung ohne nennenswerte Auswirkungen", erklärte Kauder. "Ich glaube, dass wir bei uns mit einer Widerspruchlösung bei den Bürgern mehr Sorgen und Fragen auslösen wurden", fügte er hinzu.

Topics
Schlagworte
Organspende (844)
Krankheiten
Transplantation (2123)
Personen
Volker Kauder (151)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »