Ärzte Zeitung online, 30.10.2010

Organspende: Medizinethiker für Erklärungspflicht

ESSEN (eb). Der ärztliche Direktor der Uniklinik Essen, Professor Eckhard Nagel, spricht sich in der Diskussion um die Organspende für eine Erklärungspflicht aus. Aufklärung allein reiche nicht aus, sagte Nagel, der Mitglied im Deutschen Ethikrat ist, der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung".

Organspende: Medizinethiker für Erklärungspflicht

Professor Eckhard Nagel plädiert für Organspende-Erklärungen auf der Krankenversicherungskarte.

© sbra

Bislang habe er geglaubt, "Aufklärung würde die Menschen dazu bringen, sich für oder gegen Organspende zu entscheiden." Dies habe sich aber nicht bewahrheitet: "Nur 20 Prozent der Deutschen haben einen Spendeausweis", monierte der Transplantationsmediziner, der auch Mitglied im Präsidium des evangelischen Kirchentags ist.

Seit 20 Jahren höre er nach seinen Vorträgen den Satz: "Gleich morgen hole ich mir einen Organspendeausweis." Doch dieser Vorsatz werde offenbar kurz danach wieder verdrängt. Er plädiere deshalb für eine Erklärungspflicht, statt der bisher fakultativen Möglichkeit, sich einen Organspendeausweis zuzulegen.

Nagel: "Allerdings nicht im Personalausweis oder auf dem Führerschein, sondern auf der Krankenversicherungskarte." Das sei der richtige Ort, "um über dieses Thema zu reden, aufzuklären und sich zu entscheiden."

Die Nierenspende von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier für dessen Frau hat laut Nagel dem Thema Organtransplantation mehr Aufmerksamkeit gebracht. Doch es gebe ein grundsätzliches Problem: Anders als im Gesundheitssystem üblich, funktioniere der Grundsatz "Die, die nicht betroffen sind, helfen den Betroffenen" in der Organspende bislang nicht.

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