Ärzte Zeitung, 11.01.2011

Kommentar

Auch das Nein verdient Respekt

Von Anno Fricke

Wer bei der von Unionsfraktions-Chef Volker Kauder angestrebten Zustimmungslösung zur Organspende nein sagt, der wird nicht sanktioniert. Es bleibt beim Appell.

Und damit bleibt im Grunde alles so, wie es ist. Niemand muss, jeder kann sich zum Organspender erklären. Der Staat hält sich weitgehend raus - und das ist richtig so.

Bedenklich ist aber, dass die Vertreter der Initiative Organspende den moralischen Druck erhöhen wollen. Sie spiegeln vor, es gebe eine moralische Norm, die die Bereitschaft zur Spende vorschreibe. Jedenfalls für den, der umgekehrt im Bedarfsfall ein Spenderorgan empfangen möchte. Diese Schlussfolgerung ist falsch.

Kein potenzieller Organspender zu sein, darf nicht zu einer Ächtung durch die Gesellschaft führen. Aus ärztlicher Sicht darf dies ohnehin nicht dazu führen, dass jemandem ein Spenderorgan verweigert wird, weil er selbst keine Organspendebereitschaft zeigt.

Dies wird die Aufgabe der Politiker bei der anstehenden Diskussion sein müssen. Zu vermitteln, dass trotz des dringenden Bedarfs an Spenderorganen auch die persönliche Entscheidung gegen die Organspende - aus welchen Gründen auch immer - unser aller Respekt verdient.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Jeder soll sich mit Organspende beschäftigen

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