Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 11.10.2011

Bestattungskosten für Organspender vom Staat?

LONDON (dpa). Um mehr Menschen zur Organspende zu bewegen, sollte der britische Staat der Empfehlung des einflussreichen Bioethik-Rates Nuffield Council on Bioethics zufolge die Kosten für die Beerdigung von Spendern übernehmen. Mit einem solchen Angebot könne die Zahl der Organspender deutlich erhöht werden, und das sei dringend notwendig,, postulieren die Forscher.

Die Regelung könnte so aussehen: Wer sich auf die Liste für eine Organspende im Todesfall setzen lässt, und unter Umständen stirbt, unter denen eine Spende möglich ist, dessen Beerdigung sollte über das staatliche Gesundheitssystem bezahlt werden.

"Für die Beerdigungen von Organspendern zu zahlen wäre ethisch unbedenklich - dem Spender könnte dadurch kein Schaden entstehen, und es wäre eine Anerkennung durch die Gesellschaft", sagte die Leiterin der Untersuchung, Professorin Marilyn Strathern. Um die Reaktion der Öffentlichkeit zu testen, empfiehlt der Rat ein Versuchsprogramm.

Kritik von Patienten-Vertretungen

Patienten-Vertretungen kritisierten den Vorschlag. Kranke Menschen könnten sich dadurch verpflichtet fühlen, sich zur Organspende bereitzuerklären, um ihren Familien Kosten zu ersparen, sagte Roger Goss von der Organisation Patient Concern.

Es sei erschreckend, dass das Gremium einfach davon ausgehe, ein solcher Schritt sei ethisch unbedenklich und ausschließlich die Frage stelle, ob auf diesem Weg mehr Spender gewonnen werden könnten.

Rund 8000 Menschen warten in Großbritannien auf eine Organspende

Man begrüße den Beitrag des Rates zur Diskussion um Organspenden, hieß es in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde. Dieser müsse aber ausführlich geprüft werden.

Der Vorschlag gehört zu einem Bericht, den das mit Stiftungsgeldern finanzierte Nuffield Council nach einer 18-monatigen Untersuchung herausgegeben hat. Dabei ging es darum, wie Menschen auf ethisch unbedenklichem Weg dazu bewegt werden könnten, mehr Blut, Gewebe, Spermien, weibliche Eizellen und Organe für die Medizin zur Verfügung zu stellen.

In Großbritannien warteten derzeit rund 8000 Menschen auf eine Organspende, hieß es. Im Durchschnitt liege die Wartezeit bei drei Jahren. Täglich sterben dem Bericht zufolge drei Menschen im Königreich, weil sie nicht rechtzeitig ein Spende bekommen konnten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »