Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 14.10.2011

DSO-Stiftungsrat schaltet Wirtschaftsprüfer ein

Gibt es Korruption bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation? Externe Prüfer sollen es klären.

DSO-Stiftungsrat schaltet Wirtschaftsprüfer ein

Die Zahl der Organspenden ist im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent gesunken.

© horizont21 / fotolia.com

BERLIN (af). Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll die Bücher der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) unter die Lupe nehmen. Das hat der DSO-Stiftungsrat in einer Sondersitzung am 13. Oktober beschlossen.

Auf den Prüfstand sollen unter anderem die Beschaffungs- und Dienstreiseregeln des Vorstandes. Der Stiftungsrat, dem unter anderem Vertreter der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der gesetzlichen Krankenversicherung angehören, habe am 13. Oktober mit Mitarbeitern der DSO "ohne Anwesenheit des Vorstands" mehrstündige Gespräche geführt, heißt es in einer Pressemitteilung von 14. Okboter.

Gegenstand sei die "Führungskultur" in der Frankfurter Hauptverwaltung der DSO gewesen.

Der Stiftungsrat ging damit anonym vorgetragenen Vorwürfen nach, die den Vorständen "Vetternwirtschaft und Selbstbedienungsmentalität" vorwarfen. Die ominöse E-Mail erreichte auch das elektronische Postfach von Daniel Bahr. Der FDP-Gesundheitsminister hatte daraufhin die hessische Stiftungsaufsicht eingeschaltet (wir berichteten).

Stiftungsrat nimmt die anonymen Klagen ernst

Obwohl sich die Verfasser der Mail weiterhin bedeckt halten, nehme der Stiftungsrat die anonymen Klagen ernst, heißt es in der Stellungnahme. Auch der DSO-Vorstand reagiert auf den Vorwurf, die DSO nach "Gutsherrenart" zu regieren.

Zur Verbesserung der innerbetrieblichen Kommunikation solle ein extern moderierter Prozess "baldmöglichst" die innerbetriebliche Kommunikation verbessern und die Beteiligten zueinander führen, ließ er mitteilen.

Die anonymen Schreiber hatten einen Zusammenhang zwischen den von ihnen behaupteten internen Organisationsproblemen der Stiftung und den aktuellen Organspendezahlen hergestellt. Die sind im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent gesunken.

Bis Ende Juni wurden 1861 Organe gespendet. Das waren 231 weniger als im ersten Halbjahr 2010.

Der Stiftungsrat habe sich am 13. Oktober ausführlich mit diesen Vorwürfen auseinandergesetzt, heißt es in der Pressemitteilung. Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Rückgang der Organspendezahlen während der vergangenen neun Monate sei nicht erkennbar gewesen.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

"Ärzte Zeitung" und AOK suchen einen Landarzt

"Landarzt gesucht" - unter diesem Motto suchen die "Ärzte Zeitung" und der AOK-Bundes­verband für die Gemeinde Woldegk in Mecklenburg einen neuen Hausarzt. Im Interview sprechen der AOK-Chef und der Chef von Springer Medizin über die Hintergründe. mehr »

Ärzte, vernetzt Euch!

Vom Deutschen Ärztetag soll ein Aufruf ausgehen für mehr vernetztes Arbeiten von Ärzten. Doch die Botschaft stieß nicht auf einhellige Begeisterung. Denn Kooperationen bergen auch das Risiko neuer Abhängigkeiten für Ärzte, warnten Delegierte. mehr »

Ein Jahr nach EHEC: "Viele Ärzte haben gar nicht gemeldet"

Viel wurden die Behörden während der EHEC-Epidemie gescholten. Doch auch an der Basis, bei den Ärzten, lief nicht alles rund. Im Interview zieht der Chef-Epidemiologe vom Robert Koch-Institut, Professor Gérard Krause, Lehren und spricht über selbst ernannte Experten. mehr »