Ärzte Zeitung online, 10.09.2012

Organspende

FDP kritisiert AOK

Die AOK stoppt ihre Infokampagne zur Organspende - wegen des Skandals in Göttingen und Regensburg. Bei der Politik kommt dieses Vorgehen gar nicht gut an.

BERLIN (nös). Aus der FDP-Bundestagsfraktion ist Kritik an dem Chef des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann, laut geworden.

Graalmann hatte am Wochenende angekündigt, die Informationskampagne der AOK zur Organspende zu stoppen.

Er begründete den Schritt der Ortskrankenkassen damit, dass der Skandal von Göttingen und Regensburg zu großen Irritationen in der Bevölkerung geführt habe. Zunächst brauche es nun Aufklärung und mehr Transparenz.

Diesen Schritt kritisierte die FDP-Bundestagsabgeordnete Gabriele Molitor: "Die AOK wird der Verpflichtung gegenüber ihren Patienten nicht gerecht, wenn sie statt aufzuklären die Bürger weiter verunsichert."

Die Kassen entzögen sich ihrer Verantwortung, sagte die Transplantationsexpertin der FDP-Fraktion am Montag in Berlin.

Graalmann hatte am Wochenende zudem ausdrücklich offen gelassen, ob der Kampagnenstopp über den November hinausgehen soll.

Ab dann sollen die Krankenkassen in einem ersten Schritt alle Versicherten über die Organspende informieren, wie es der Bundestag im Frühjahr im Rahmen der Novelle des Transplantationsgesetzes beschlossen hatte.

Molitor: "Dass sie ausdrücklich offen lassen, ob sie damit Anfang November, zum Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes, beginnen werden, ist eine offene Konfrontation mit dem Gesetzgeber."

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[10.09.2012, 15:44:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Medizin-bildungsferne Schichten in der Diskussion um Organtransplantation?
Da fragt man sich unwillkürlich, wie viele Organtransplantationen die FDP-MdB Gabriele Molitor als Journalistin und studierte Publizistin/Kommunikationswissenschaftlerin denn schon mit verantworten musste? Die AOK sichert die Qualität und finanziert Organtransplantationen ihrer GKV-Mitglieder. Ärztinnen und Ärzte bzw. medizinisches Fachpersonal sind bei Diagnostik, konservativer und operativer Therapie mit Ex- und Implantation bzw. Anästhesie in verschiedenen Teams, Logistik, Nachsorge, Rehabilitation und lebenslanger haus- und fachärztlicher Begleitung involviert.

Und dann erdreistet sich diese FDP-Bundestagsabgeordnete, kommunikativ über den Chef des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann, zu richten, der sich besonnen nach den Transplantationsskandalen in Göttingen und Regensburg verhält. Denn derzeit für höhere Organspendenbereitschaft aktiv werben zu wollen, heißt 'das Kind mit dem Bade ausschütten' und ist völlig kontraproduktiv.

Da hilft auch nicht, dass Gabriele Molitor als "Berichterstatterin für Transplantationsmedizin" und zugleich "Sprecherin für Menschen mit Behinderungen der FDP-Bundestagsfraktion" die "Skandalisierung der Organspende zur eigenen Profilierung" wortreich beklagt (www.gabi-molitor.de). Und die nötige inhaltliche Diskussion, "ob Privatversicherte bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt werden" mit pseudoliberalen, kaum von Sachkenntnis getrübten Sprüchen abwiegelt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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