Ärzte Zeitung, 16.11.2012

Organspende

Die Zustimmung fehlt

Die DSO grübelt, wie Deutschland an mehr Organspenden kommen kann. Der Abschlussbericht ihrer Inhousekoordination hat darauf eine Antwort - eine ernüchternde.

Von Johanna Dielmann-von Berg

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Niere gesucht: Mit solchen Kampagnen versucht die DSO, die Zahl der Organspenden zu steigern.

© DSO

NEU-ISENBURG. Fehlende Zustimmung zu medizinischen Maßnahmen und Patientenverfügungen: Das sind die größten Hindernisse dafür, dass es in Deutschland nicht mehr Organspender gibt.

Zu diesem Ergebnis kommen die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) im Abschlussbericht eines gemeinsamen Projektes.

Von 2010 bis Mitte 2012 hatte das Deutsche Krankenhausinstitut für sie untersucht, wie die Spenderzahlen erhöht werden können. Am Projekt der sogenannten "Inhousekoordination" hatten sich rund Dreiviertel (112) der 150 großen Kliniken bundesweit beteiligt.

Insgesamt prüften Koordinatoren der Kliniken und DSO-Mitarbeiter retrospektiv bei 8906 Patienten mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung, ob diese als Spender infrage gekommen wären.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Nur bei 441 hätten DSO und Klinik geraten, den Hirntod zu diagnostizieren - was tatsächlich aber nicht geschehen war.

Doch selbst wenn diese potenziellen Spender die Voraussetzungen des Hirntods erfüllt hätten, wäre nicht sicher gewesen, dass auch die rechtlichen Bedingungen - wie die Zustimmung zur Organspende - vorgelegen hätten, schreibt die DSO in einer Mitteilung.

Für die DSO steht daher fest: Die Entscheidungslösung, wonach die Krankenkassen immer wieder dazu auffordern, sich mit der Organspende auseinanderzusetzen, war vom Gesetzgeber ein Schritt in die richtige Richtung.

Sollten sich die Spenderzahlen aber nicht erhöhen, "sind weitergehende Ansätze wie eine Widerspruchslösung (...) zu diskutieren", heißt es im Bericht.

Viele Transplantationsmediziner verweisen auf Spanien und favorisieren die dortige Widerspruchslösung.

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[17.11.2012, 20:21:16]
Dr. Bernhard Pallmann 
Dr. "Seltsam" heisst bei uns "CSU-Todesengel"
Ja, das mag fuer manchen Mediziner "hart" erscheinen. Jedoch entsprechen der Artikel sowie der Kommentar von Herrn Dr. med. Thomas G. Schaetzler umfassend den Tatsachen.

Unser aller Leben liegt, sobald wir zum Arzt gehen, allein und umfassend in dessen Haenden und denen seiner Helfer. Auch unser Tod-Sein. Oder das "dazwischen". Wenn wir dorthin gebracht werden, ganz gleich wie - umso mehr! Wenn bisher nicht einmal klare Fach-Kriterien fuer die Bestimmung dessen in Deutschland existieren, was medizinische und rechtliche Basis-Voraussetzung fuer eine Organspende ist, spende ich Mensch und besonders als deutscher Staatsbuerger - wenn ueberhaupt -meine Leber oder andere meiner offenbar sehr wertvollen Koerperteile dort, wo ich mir einigermassen sicher bin, dass ich nicht von irgendeinem kriminellen Geschaftemacher-Team ausgeweidet und meine Organ-Hinterlassenschaften verschachert werden. Zudem bekamen Leute Spenderorgane, die "hiunaufgelistet" wurden - gegen Bestechungsgelder. Genau all dieses ist geschehen. Nicht einmal, nicht "ein paar mal", vielfach. Wie oft, das wissen wir bis heute nicht.

Anklagen, polizeiliche Ermittlungen, sofoertige Strafverfolgung, gar Haftbefehle gegen die Verbrecher, die Todesengel und ihre Decker? Bisher totale Fehlanzeige! Vielmehr ein "Gutachter-Team". Na Danke! Meinen Organspende-Ausweis, der mich jahrzehntelang begleitete, habe ich zerrissen, als mir die Vorfaelle an dem von mir einst hochgeschaetzten Kliniken, vor allem dem "RdI", in Bayern bekannt wurden. Dr. Bernhard Pallmann, PR- und Pressesprecher "Alexander Zouras Medienpreis", Anti-Korruption  zum Beitrag »
[17.11.2012, 14:32:17]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dr. Seltsam bei DSO und DKI?
Seltsam, noch am 9.8.2012 sah der medizinische Vorstand der DSO, Prof. Dr. med. Günter R. Kirste, k e i n e negativen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft in Deutschland. "Es gibt keinen dramatischen Abfall bei den Organspende-Zahlen", sagte er in der ARD-Sendung "Beckmann". Zu diesem Zeitpunkt waren die Organspenderzahlen um bis zu 20% zurückgegangen.

Seit 2010 ist die Zahl der Spender rückläufig. Dass es trotzdem mehr Organtransplantationen gibt, liegt an zunehmenden Multi-Organentnahmen bei den Donatoren. Die jüngsten Skandale in verschiedenen Transplantationszentren haben Patienten und potentielle Organspender bei diesem hochsensiblen Thema verunsichert. Inhaltliche Diskussionen über Hirntodkriterien und deren wissenschaftliche Erforschung bzw. Evaluation werden nicht geführt. Studien, die die bio-psycho-soziale Situation von Mitarbeiter/-innen, Angehörigen und betroffenen Donatoren bzw. Organempfängern berücksichtigen, werden nicht initiiert. Eine neue Diskussion über erweiterte H e r z t o d k r i t e r i e n zur früheren Organexplantation wurde angefacht.

Die Auffassung, dass Patientenverfügungen und damit fehlende Zustimmungen zu lebensverlängernden medizinischen Maßnahmen Organspende-Möglichkeiten behindern würden, ist einigermaßen bizarr. Der Abschlussbericht des Projekts "Inhousekoordination" von DSO und DKI liest sich auch äußerst seltsam: Die Entscheidungslösung sei vom Gesetzgeber ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Zugleich stellt man sich aber direkt g e g e n die Mehrheitsentscheidung des Deutschen Bundestages und fordert die verfassungsrechtlich bedenkliche Widerspruchslösung.

Spätestens jetzt muss die, wie auch EUROTRANSPLANT, privatwirtschaftlich organisierte DSO, welche jährlich mit 44 Millionen € von den GKV-Kassen alimentiert wird, in eine Körperschaft Öffentlichen Rechts umgewandelt werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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