Ärzte Zeitung, 24.01.2013

Mehr Transparenz

Werbung rettet die Organspende nicht

Die Organspende-Zahlen sinken dramatisch. Nötig sind vor allem klare und transparente Vergabeverfahren.

TUTZING. Die Verteilung von Spenderorganen ist eine "tragische Entscheidung, da es dabei immer Verlierer geben wird", so der Geschäftsführende Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für die Region Bayern, Dr. Thomas Breidenbach.

Die Organtransplantation sei ein etabliertes Therapieverfahren, erinnerte Breidenbach bei einem Diskussionsforum in der Evangelischen Akademie Tutzing. Seit 1963 seien in Deutschland mehr als 103.000 Organe transplantiert worden.

Eines der größten Probleme sei aber nach wie vor der Organmangel. "Täglich sterben in Deutschland drei Patienten auf der Warteliste", sagte Breidenbach.

Auch vor den Transplantationsskandalen seien die Zahlen rückläufig gewesen. Dass es zu einem dramatischen Rückgang bei den Organspenden gekommen ist, sei die Schuld von "kriminellen Egoisten in den Zentren".

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müsse absolute Transparenz hergestellt und wieder Vertrauen geschaffen werden. Das gehe nur durch Aufklärung und nicht durch Werbung. "Mit Werbung werden wir keinen Menschen überzeugen", sagte Breidenbach.

Widersprüchliche Vorgaben

Um erfolgreich zu sein, sollten vermehrt Angehörige als Fürsprecher für die Organspende zu Wort kommen.

Vertrauen in die Transplantationsmedizin und in die Verteilung von Organen lasse sich nur über klar definierte Kriterien und transparente Verfahren erreichen, betonte der Medizinethiker Professor Georg Marckmann von der Universität München.

Nach dem Transplantationsgesetz solle die Vermittlung von Spenderorganen nach Regeln erfolgen, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, wobei "Erfolgsaussicht und Dringlichkeit" eine besondere Bedeutung haben.

Die zentrale Abwägung von "Erfolgsaussicht und Dringlichkeit" sei in sich aber widersprüchlich, meinte Marckmann.

Ein wichtiges ethisches Prinzip bei der Organverteilung müsse auch die Chancengleichheit sein. Wohnort oder sozialer Status dürften keine Rolle spielen. "Es muss eine faire Organallokation geben", forderte Marckmann. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Jeder neunte Euro geht an die Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland steigen weiter. Im Jahr 2015 betrugen sie 344,2 Milliarden Euro oder 4 213 Euro je Einwohner. Auch die Prognose für 2016 liegt bereits vor. mehr »

Zahl importierter Malaria-Erkrankungen stark gestiegen

In den letzten Jahren ist die Zahl der Malaria-Erkrankungen in Deutschland deutlich gestiegen. Die unspezifische Symptomatik führt immer wieder zu potenziell lebensbedrohlichen Fehldiagnosen. mehr »

BGH befreit Durchgangsärzte von Haftung

Für die Folgen eines Fehlers bei der Diagnose und auch der Erstversorgung durch einen D-Arzt haftet nicht der Arzt, sondern die Unfallversicherung. Das hat nun der Bundesgerichtshof klargestellt. mehr »