Ärzte Zeitung, 03.11.2008

Ärzte pochen auf Unteilbarkeit ihres Berufs

Es bleibt dabei: Eine Substitution ihrer heilkundlichen Tätigkeiten durch Leistungen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe kommt für Ärzte nicht in Frage.

Von Thomas Hommel

"So gut andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen auch ausgebildet sind: Es gibt mit gutem Grund den Arztvorbehalt bei Leistungen, die wegen ihres Gefährdungspotenzials ärztliche Fachkenntnisse erfordern", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, beim KBV-Kongress "AGnES und Co: Wird die Schwester bald zum Doktor?"

Die Übernahme ärztlicher Aufgaben durch Pflegekräfte oder Praxisangestellte bedeute, dass der Arzt mit den erbrachten Leistungen überhaupt nichts mehr zu tun habe. Deswegen fehle dann die notwendige fachliche Aufsicht, was zu einer schlechteren Versorgungsqualität führe. "Niemand kann deshalb ernsthaft wollen, dass die Schwester den Arzt ersetzt." Denkbar sei jedoch, die Möglichkeiten der Delegation - das heißt der Übertragung bestimmter Aufgaben an entsprechend qualifizierte Praxisangestellte oder Pflegefachkräfte unter Aufsicht des Arztes - künftig noch einmal zu erweitern. Köhler: "Ärzte können und müssen nicht alles selbst machen."

Ärzte pochen auf Unteilbarkeit ihres Berufs

,, Niemand kann wollen, dass die Schwester den Arzt ersetzt. Dr. Andreas Köhler Vorsitzender der KBV

Für Diagnose und Therapie trifft das aber weiterhin nicht zu, wie KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller deutlich machte. "Nur ein ausgebildeter Arzt ist in der Lage, eine Diagnose zu stellen und gemeinsam mit dem Patienten eine Behandlung festzulegen, denn das ist der Inhalt seiner langjährigen Ausbildung." Die Palette übertragbarer Tätigkeiten reicht nach Ansicht Müllers von der Anleitung der Angehörigen zur richtigen Medikamentengabe über die Früherkennung von Demenzen bis hin zur Beratung bei der Sturzprophylaxe.

Das Modellprojekt "AGnES", bei dem Praxisangestellte den Arzt durch Hausbesuche beim Patienten entlasten, sei ein gutes Beispiel dafür, dass von Delegation alle profitieren würden, so Müller. "AGnES ist das perfekte Bindeglied zwischen Pflegedienst und Arztpraxis, denn nur sie kann beispielsweise eine veränderte Alltagskompetenz des Patienten feststellen und entsprechende Hilfe veranlassen." Auch der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Kuno Winn, stellte klar: "Ärztliche Verantwortung für Diagnose und Therapie ist nicht teilbar."

Ärzte pochen auf Unteilbarkeit ihres Berufs

Marie-Luise Müller: Pflege sucht die Kooperation.

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR), Marie-Luise Müller, wiederholte unterdessen Forderungen der Pflegeverbände nach Übernahme bestimmter heilkundlicher Aufgaben durch Pflegende. "Der Arztvorbehalt ist aus unserer Sicht kein Zukunftsmodell." Die Bundesbürger verlangten nach einem Versorgungsangebot, bei dem auch Angehörige nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe eigenständig behandeln und verordnen können. "Viele Menschen fragen: Warum bedürfen pflegerische Heil- und Hilfsmittel wie Windeln oder Wundauflagen ausschließlich einer ärztlichen Verordnung, wo doch die Ärzte dieses Thema weitaus weniger beherrschen als Pflegefachkräfte?" Der Blick ins Ausland zeige, dass Pflegespezialisten den Arzt ersetzen könnten, ohne dass es dadurch zu Qualitätseinbußen in der Versorgung komme. "In den USA, wo mehr als 100 000 Nurse Practitioners bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen, sterben die Menschen ja auch nicht schneller als bei uns."

Niemand kann wollen, dass die Schwester den Arzt ersetzt.

Dr. Andreas Köhler

Vorsitzender der KBV

Der Arztvorbehalt ist aus unserer Sicht kein Zukunftsmodell.

Marie-Luise Müller

Präsidentin Deutscher Pflegerat

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