Ärzte Zeitung, 26.11.2008

KBV sieht Noten für Heime nur als Hilfsindikator

KBV-Sprecher: Persönlicher Eindruck vom Heim wichtig

BERLIN (hom). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Entscheidung von Kassen und Heimträgern, die Qualität der rund 10 400 Pflegeheime in Deutschland künftig in Form von Noten abzubilden, grundsätzlich begrüßt.

KBV sieht Noten für Heime nur als Hilfsindikator

"Umgang mit demenzkranken Bewohnern" - ein Kriterium der Prüfung durch den MDK.

Foto: imago

"Schulnoten können Haus- und Fachärzten einen ersten Hinweis liefern, wenn sie von pflegenden Angehörigen nach einem geeigneten Heimplatz für ein nahestehendes Familienmitglied gefragt werden", sagte KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl der "Ärzte Zeitung". Entscheidend für die Auswahl einer Pflegeeinrichtung müsse aber immer der persönliche Eindruck sein, "den sich auch der Arzt von der Pflegeeinrichtung macht", betonte Stahl. "Kein Notensystem kann den persönlichen Kontakt ersetzen."

Bei der MDK-Prüfung werden 82 Kriterien angelegt

Vertreter der Kassen und der Heimträger hatten sich kürzlich darauf verständigt, die Qualität der stationären Pflege in Form von Zeugnissen öffentlich zu machen (wir berichteten). Ab Januar 2009 werden nach und nach alle Heime durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft. Dies geschieht anhand von 82 Kriterien in fünf verschiedenen Bereichen: "Pflege und medizinische Versorgung", "Umgang mit demenzkranken Bewohnern und anderen gerontopsychiatrisch veränderten Menschen", "soziale Betreuung und Alltagsgestaltung", "Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene" sowie "Bewohnerbefragung". Alle Ergebnisse werden mit Schulnoten von "sehr gut" bis "mangelhaft" unterlegt. Jeweils nach einer Prüfung werden die Resultate sowohl im Internet als auch in der Pflegeeinrichtung - "an gut sichtbarer Stelle" - veröffentlicht.

Bewertung nach Schulnoten soll Orientierung erleichtern Die Veröffentlichung erfolgt bundesweit nach den gleichen Regeln, was einen Vergleich zwischen den Heimen ermöglichen soll. Verantwortlich für die Veröffentlichung sind die Landesverbände der Kassen. "Wer wissen will, welchen Qualitätsstandard eine Pflegeeinrichtung erfüllt, kann sich vor Ort und über das Internet informieren. Die Bewertung in Schulnoten erleichtert dabei die Orientierung", erklärte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer.

Künftig werde vorrangig die Ergebnisqualität unter die Lupe genommen. Für die ambulante Pflege werde ein vergleichbares Bewertungssystem eingeführt, so Meurer. Eine Entscheidung wird Mitte Dezember erwartet. Der Vorstandsvorsitzende des privaten Heimbetreibers Marseille-Kliniken AG, Axel Hölzer, stufte das geplante Bewertungsverfahren des MDK dagegen als unzureichend ein: "Das Qualitätsraster greift aus unserer Sicht zu kurz" - und zwar, weil die Ergebnisqualität nicht berücksichtigt wird.

Eine optimale Gestaltung der Prozesse müsse nicht automatisch zu einer hohen Pflegequalität führen - beispielsweise wenn die Prozesse von einer hohen Mitarbeiterfluktuation begleitet würden. Marseille hatte im Frühjahr den bundesweit ersten Qualitätsbericht über seine 54 Heime vorgelegt. Darin wird ebenfalls mit Hilfe von Noten bewertet, ob Bewohner regelmäßig einen Haus- und Facharzt zu sehen bekommen, Wunden fachgerecht versorgt und Medikamente ordnungsgemäß verabreicht werden.

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