Ärzte Zeitung online, 17.02.2009

Internetverzeichnis für Pflegeheime

BERLIN (dpa). Bei der Suche nach einem guten Altenheim sollen künftig mehr Informationen im Internet helfen. Die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), startete am Dienstag eine Datenbank der Interessenvertretung der Heimbewohner zur freiwilligen Bewertung von Einrichtungen.

"Es geht auch und vor allem darum, dass den Heimbewohnern eine insgesamt hohe Lebensqualität und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird", sagte Aigner. Die Qualität der Pflege sei dabei ein wichtiger Aspekt, mache aber nur einen Teil des Wohlbefindens aus. Das Bundesgesundheitsministerium sieht das Projekt nur als Ergänzung zu der Heimbewertung, die die Pflegekassen im Rahmen der Pflegereform vorlegen müssen. Diese Bewertung ist ebenfalls noch im Aufbau.

Das freiwillige Verzeichnis, das vom Verbraucherministerium gefördert wird, soll bis 2010 im Internet komplett sein. Damit soll älteren Menschen und ihren Angehörigen die Entscheidung über ein Heim erleichtert werden. Wenn eine Einrichtung mitmacht, prüfen unabhängige Gutachter anhand von 124 Kriterien Betreuung, Essen, den Grad der Selbstbestimmung, den Austausch mit anderen, die Menschenwürde und die Verkehrsanbindung, kündigte die Interessenvertretung der Heimbewohner an. Ein lachendes Gesicht soll im Internet die Verbraucherfreundlichkeit anzeigen - eine negative Bewertung soll allerdings nicht aufgeführt werden.

Die Prüfung soll im Frühjahr in Schleswig-Holstein starten. Bei einem Test in rund 100 Heimen in Berlin, Brandenburg und im Raum Hannover habe sich gezeigt, dass die Qualität allein durch das Abarbeiten des Fragenkatalogs in allen Einrichtungen zugenommen habe, sagte Aigner.

Die Interessenvertretung der Heimbewohner räumte Probleme beim Start des freiwilligen Projekts ein. Es hätten sich noch nicht genug Heime gemeldet, sagte die Geschäftsführerin der Bundesinteressenvertretung der Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (BIVA), Katrin Markus. "Wir wollen die Qualität verbessern, indem ein gewisser Wettbewerb herrscht." In rund 10 400 Pflegeeinrichtungen in Deutschland sind nach Angaben der Kassen etwa 677 000 Bedürftige untergebracht.

Das Bundesgesundheitsministerium hält das freiwillige Verzeichnis für weniger aussagekräftig als die Pflichtbewertung durch die Kassen. "Das ersetzt nicht die Prüfung dessen, was ein Pflegeheim leistet und welche Qualität es anbietet", sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater. Es gebe eine "harte Qualitätsprüfung" durch Kassen und Heimträger mit unangemeldeten Kontrollen. Das Projekt des Verbraucherministeriums zeige "weiche Faktoren". Der Spitzenverband der Krankenkassen nannte das freiwillige Verzeichnis eine "gute Ergänzung" zu der geplanten Pflichtbewertung.

Die Pflegeheime sollen von diesem Jahr an Schulnoten vom Prüfdienst der Kassen erhalten. Die verpflichtende Bewertung ist noch nicht veröffentlicht. Der Sozialverband Deutschland warf den Kassen vor, dabei sollten Mängel verschleiert werden.

Internet: www.heimverzeichnis.de

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