Ärzte Zeitung online, 10.07.2009

Stiftung für Sanktionen bei Pflegemissstand

HAMBURG (dpa). Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung hat angesichts eines alarmierenden Pflegezustands älterer Menschen härtere Sanktionen gefordert. "Falschparken wird in Deutschland konsequenter bestraft als Körperverletzung gegenüber pflegebedürftigen Menschen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Donnerstag.

Es gebe keinen Ermittlungsdruck. Er verlangte deshalb von den Landesjustizministern die Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften. "Nur wenn kompromisslos gegen die andauernde Körperverletzung an alten Menschen vorgegangen wird, kann sich die momentane Situation ändern", sagte Brysch zur dpa.

Laut einer am Mittwoch von Hamburger Rechtsmedizinern vorgelegten Studie hatten 3,3 Prozent der mehr als 8500 untersuchten Menschen schwere Druckliegegeschwüre (Dekubitus). Rund 15 Prozent waren unterernährt oder hatten ein "desolates" Gebiss, 35 Prozent waren eher übergewichtig. Fast 7 Prozent wurden mit einer Magensonde durch die Bauchdecke künstlich ernährt - bei einem Drittel dieser Fälle war die Haut um die Eintrittsstelle laut der Untersuchung entzündet und nicht gut gepflegt.

"Was mit pflegebedürftigen, alten Menschen in Deutschland geschieht, ist tausendfache Körperverletzung. Und das täglich", sagte Brysch. Erschreckend an der Studie sei aber vor allem, dass die Ergebnisse nicht neu seien. "Die Katastrophe in der Pflege ist bekannt. Was folgt, wenn wieder einmal ein Pflegeskandal an die Oberfläche kommt, ist immer das Gleiche: Zunächst gibt es einen kollektiven Aufschrei des Entsetzens, und dann gehen alle wieder zur Tagesordnung über."

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