Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Schmidt wirbt für mehr Anerkennung der Pflegeberufe

BERLIN (hom). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat für mehr gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe geworben. "Unsere Gesellschaft ist mehr denn je auf Menschen angewiesen, die sich der Kranken- und Altenpflege widmen oder dies in Zukunft tun wollen", sagte Schmidt am Mittwoch bei der Vorstellung einer neuen Imageaktion des Bundesgesundheitsministeriums mit dem Titel "Ich pflege, weil".

Sowohl professionell wie auch ehrenamtlich Pflegende können sich an der Aktion beteiligen und damit zu "Pflegebotschaftern" werden. Im Internet können sie ihre persönliche Motivation darlegen, warum sie einen Pflegeberuf ergriffen haben. Wer möchte, kann seiner Geschichte ein Porträtbild von sich beifügen.

"Die Gesellschaft des längeren Lebens" werde zu einem enormen zusätzlichen Arbeitskräftebedarf im Gesundheitswesen führen, sagte Ministerin Schmidt. Allein in der Altenpflege seien im Jahr 2040 bis zu 550 000 zusätzliche Fachkräfte erforderlich. Mit der Aktion wolle ihr Ministerium der Profession Pflege "ein Gesicht geben" und junge Menschen motivieren, einen Pflegeberuf zu ergreifen.

Pflege sei noch immer ein "Stiefkind" der Gesellschaft und rücke zumeist nur dann in den "medialen Fokus", wenn es zu Skandalen komme. Dabei werde häufig vergessen, dass 90 Prozent aller in Deutschland in Heimen und von ambulanten Diensten betreuten Menschen eine gute Pflege erfahren. "Menschen gehen dem Pflegeberuf nach, weil sie alten Menschen helfen wollen und nicht, um ihnen Schaden zuzufügen."

Die große Koalition habe in den vergangenen vier Jahren mehrere Gesetze auf den Weg gebracht, um die Situation und die Arbeitsbedingungen von Pflegenden zu verbessern, betonte die SPD-Politikerin. Mit der Pflegereform sei etwa geregelt worden, dass nur die Pflegeheime einen Vertrag mit der Pflegekasse unterzeichnen dürfen, die ihren Mitarbeitern ortsübliche Löhne zahlen. "Das wirkt gegen Dumpinglöhne", zeigte sich Schmidt überzeugt.

Für die Kliniken wiederum sei ein Sonderprogramm über 17 000 neue Pflegestellen auf den Weg gebracht worden. Bundestag und Bundesrat hätten zudem beschlossen, den Zugang zur Kranken- und Altenpflegeausbildung auch für qualifizierte Hauptschüler mit zehnjährigem Abschluss zu öffnen.

Bei Pflegeverbänden hatte dieser Schritt allerdings heftige Kritik ausgelöst, weil sie eine Abwertung des Berufsstandes befürchten. Heute hätten bereits Realschulabgänger erhebliche Probleme, den gewachsenen fachlichen Anforderungen an die Pflegeberufe gerecht zu werden. Viele würden bei den Prüfungen durchfallen.

Info: www.bmg.bund.de/ichpflegeweil

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