Ärzte Zeitung, 21.12.2009

Kommentar

Das Kind ist in den Brunnen gefallen

Von Thomas Hommel

Eigentlich hätte alles ganz einfach, verbraucherfreundlich und transparent zugehen können: Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen klopfen Heime und ambulante Pflegedienste auf deren Qualität ab. Sie vergeben gute Noten für gute Einrichtungen, schlechte Noten für schlechte Einrichtungen. Betroffene und pflegende Angehörige erkennen auf einen Blick, wo ihnen gute und wo ihnen weniger gute Pflege angeboten wird.

In Deutschland aber gibt es - gerade im Gesundheitswesen - die schlechte Angewohnheit, Neues erst einmal schlecht zu reden und madig zu machen. Die Pflegenoten sind ein gutes Beispiel dafür. Statt eine Alternative zu den Pflegezeugnissen und der damit bezweckten Transparenz am bislang intransparenten Pflegemarkt zu benennen, wird von den Kritikern einfach nur draufgehauen. Irgendwas kann ja nicht stimmen.

Mit der Ankündigung, die Notenvergabe kurz nach ihrem Start benoten, sprich überprüfen zu wollen, ist das Kind jetzt endgültig in den Brunnen gefallen. Kein Pflegebedürftiger, kein Angehöriger, der in Zukunft eine passende Pflegeeinrichtung sucht, wird bei seiner Suche noch auf die Pflegenoten zurückgreifen wollen. Wenn schon Experten dem System misstrauen, warum sollte dann der Laie Vertrauen fassen?

Topics
Schlagworte
Pflege (4596)
Personen
Thomas Hommel (387)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Abstimmung über Trumps Gesundheitsreform verschoben

Die Republikaner haben nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen, verschieben die Abstimmung im Kongress. Trump muss warten - das kann ihm nicht schmecken. Aber das Weiße Haus macht Druck. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »