Ärzte Zeitung, 09.02.2010

Kommentar

Das Ende der Freiheit

Von Sabine Schiner

In den Demenz-Abteilungen in Alten- und Pflegeheimen entwickeln die Betreuer oft viel Geschick, wenn es darum geht, dass die Kranken nicht unbeaufsichtigt die Station verlassen: Da werden Türen hinter Vorhängen versteckt oder durch Fototapeten unkenntlich gemacht. Die Patienten sollen sich nicht eingesperrt fühlen. Es geht dabei um Würde, und es geht um Selbstbestimmung.

Die Ankündigung des Klinikums Offenbach, zum Schutz der Patienten ein elektronisches Ortungssystem einzuführen, lässt an den Einsatz elektronischer Fußfesseln denken, wie man sie aus dem Strafvollzug kennt. Im Unterschied zu Strafgefangenen soll vor dem Anlegen der Fesseln allerdings die Erlaubnis der Patienten, Angehörigen oder Betreuer eingeholt werden. Eine Unterschrift also, ein "Ja" und es ist aus mit der Freiheit: Das Grundgesetz wird so zum Wohl der Patienten außer Kraft gesetzt.

Bei allem Verständnis für Sicherheitsprobleme bei der Betreuung von Demenzpatienten: Hier liegt der Verdacht nahe, dass Big Brother in Kliniken und Altenheime einzieht.

Lesen Sie dazu auch:
Neues System soll Patienten orten

Topics
Schlagworte
Pflege (4650)
Demenz (1868)
Krankheiten
Demenz (2999)
Personen
Sabine Schiner (307)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »