Ärzte Zeitung, 09.02.2010

Kommentar

Das Ende der Freiheit

Von Sabine Schiner

In den Demenz-Abteilungen in Alten- und Pflegeheimen entwickeln die Betreuer oft viel Geschick, wenn es darum geht, dass die Kranken nicht unbeaufsichtigt die Station verlassen: Da werden Türen hinter Vorhängen versteckt oder durch Fototapeten unkenntlich gemacht. Die Patienten sollen sich nicht eingesperrt fühlen. Es geht dabei um Würde, und es geht um Selbstbestimmung.

Die Ankündigung des Klinikums Offenbach, zum Schutz der Patienten ein elektronisches Ortungssystem einzuführen, lässt an den Einsatz elektronischer Fußfesseln denken, wie man sie aus dem Strafvollzug kennt. Im Unterschied zu Strafgefangenen soll vor dem Anlegen der Fesseln allerdings die Erlaubnis der Patienten, Angehörigen oder Betreuer eingeholt werden. Eine Unterschrift also, ein "Ja" und es ist aus mit der Freiheit: Das Grundgesetz wird so zum Wohl der Patienten außer Kraft gesetzt.

Bei allem Verständnis für Sicherheitsprobleme bei der Betreuung von Demenzpatienten: Hier liegt der Verdacht nahe, dass Big Brother in Kliniken und Altenheime einzieht.

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