Ärzte Zeitung online, 20.04.2010

Experten streiten über Greencard für Pflegekräfte

BERLIN (hom). Eine Greencard für Pflegekräfte, wie sie vom Arbeitgeberverband Pflege im Kampf gegen den sich abzeichnenden Personalmangel in Heimen und bei ambulanten Pflegediensten gefordert wird, stößt bei Pflegeverbänden auf Ablehnung.

"Hier fordern ausgerechnet diejenigen einen neuen politischen Schnellschuss, die die Ursachen für den Fachkräftemangel in der Altenpflege mit zu verantworten haben", sagte Johanna Knüppel, Fachreferentin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Anstatt nach Einwanderung aus dem Ausland zu rufen, müssten die Arbeitsplätze in der Pflege in Deutschland konkurrenzfähig gemacht werden.

"Bei schneller, konsequenter und spürbarer Verbesserung der Rahmenbedingungen ließe sich auch im eigenen Land eine große Reserve ausgebildeter Pflegefachkräfte erschließen. Denn wir haben keinen Mangel an Pflegefachkräften, sondern einen Mangel an Pflegefachkräften, die in der Pflege arbeiten wollen", betonte Knüppel. Die Forderung nach einer Greencard werde den Personalmangel nicht lösen.

Der Chef des Arbeitgeberverbands Pflege, Thomas Greiner, hatte in der "Financial Times Deutschland" Erleichterungen für ausländische Arbeitnehmer gefordert, die als Pflegekräfte in Deutschland arbeiten wollen. Schon heute fehlten bundesweit 50 000 Fachkräfte in der Altenpflege. Ausländische Arbeitskräfte müssten daher schnell nach Deutschland kommen und ohne bürokratische Auflagen "wie perfekte Sprachkenntnisse" arbeiten können, so Greiner.

Der DBfK bezeichnet diese Haltung als "völlig inakzeptabel". Sprachkenntnisse seien entscheidend. Ansonsten würden pflegebedürftigen Menschen "reduziert auf rein körperliche Bedürfnisse", so DBfK-Expertin Knüppel. Kommunikation und Beziehung zum Pflegebedürftigen seien zentrale Grundlage für eine gute Pflege. Dies dürfe nicht zur Disposition gestellt werden.

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