Ärzte Zeitung online, 28.09.2010

Alkohol im Alter wird in Pflegeheimen zum Problem

SCHWERIN/LÜBSTORF (dpa). Sucht und Alkoholabhängigkeit bei alten Menschen sind ein zunehmendes Problem für das Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie in Suchtberatungsstellen. Nach Schätzungen haben bundesweit rund 400 000 Menschen im Rentenalter ein Alkoholproblem, ein bis zwei Millionen sind medikamentenabhängig.

Alkohol im Alter wird in Pflegeheimen zum Problem

Den Kummer mit Alkohol runterspülen: Offenbar immer mehr Senioren greifen zur Flasche.

© Paul von Stroheim / imago

"Das Thema ist mit dem demografischen Wandel schrittweise akut geworden", sagte die Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen in Schwerin, Claudia Diekneite. Die drei norddeutschen Landesstellen für Suchtfragen berieten am Dienstag in der Klinik Schweriner See in Lübstorf erstmals darüber, wie Pfleger und Berater damit umgehen können.

Die Vertreter aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein trafen sich mit rund 50 Mitarbeitern von Alteneinrichtungen und Beratungsstellen. Vorausgegangen war laut Diekneite ein Hilferuf aus Alteneinrichtungen und Beratungsstellen.

Suchtprobleme im Alter fielen auch wegen der zunehmend älteren Patienten in Kliniken auf, sagte Diekneite am Rande der Tagung. Es gebe viele alkoholbedingte Krankheiten bei über 65-Jährigen. Bisher habe man gedacht, es sei nicht schlimm, wenn jemand gern ein Schnäpschen trinke.

Das Personal in Altenheimen könne auch nicht das Bier am Abend verbieten. Die meisten würden moderat trinken. Allerdings würden viele Ältere nicht mehr viel Alkohol vertragen, vor allem in der Wechselwirkung mit Medikamenten. Bei zu hohem Konsum müssten die Mitarbeiter daher aus gesundheitlichen Gründen einschreiten. "Aber wie? Da ist eine große Hilflosigkeit", sagte sie.

Die Mitarbeiter müssten Menschen im letzten Drittel ihres Lebens anders ansprechen und motivieren als jüngere, die etwa noch eine berufliche Perspektive hätten. Alte Menschen sagten häufig, sie wollten gar nicht anders, es gehe ihnen gut. "Wenn sich Ältere aber motivieren lassen, ist die Erfolgsquote noch sehr hoch", sagte Diekneite. "Sie merken, dass sie ohne Alkohol leistungsfähiger sind."

Ein häufigeres, aber weniger auffälliges und schwerer zu fassendes Problem ist nach den Worten der Suchtexpertin die Medikamentenabhängigkeit. Schmerzbehandlungen mit Opiaten oder Mittel gegen Schlafstörungen führten häufig zur Sucht. Dies beeinträchtige die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen und erhöhe die Arzneimittelausgaben der Krankenversicherungen.

Landesstelle für Suchtfragen MV: www.lsmv.de

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