Ärzte Zeitung, 18.11.2010

Kommentar

Was ist uns gute Pflege wert?

Von Thomas Hommel

Ein bisschen merkwürdig ist das schon: Da schreibt ein Boulevardblatt in dicken, knallroten Lettern über Deutschlands vermeintliche "Pflegeschande", um seine Leser ein paar Monate später auf eine "deutlich" teurer werdende Pflege hinzuweisen.

Im Schnitt "15 Euro" müssten die Bundesbürger monatlich mehr für ihre Pflegeversicherung berappen, wenn Union und FDP wie im Koalitionsvertrag angekündigt eine kapitalgedeckte Zusatzversicherung beschließen sollten, wird vermeldet.

Das Bundesgesundheitsministerium widerspricht prompt und nennt die 15 Euro "Spekulation". Auch dieser Reflex ist merkwürdig. Ja, mehr und bessere Pflege wollen alle gerne haben, wenn sie im Alter einmal pflegebedürftig werden sollten - und ausschließen kann das niemand von uns. Aber wenn es um die Frage geht, was mehr und bessere Pflege in Euro und Cent wert ist, ducken sich viele weg und würden am liebsten antworten: "Am besten gar nichts!"

Pflege zum Nulltarif aber gibt es nicht - erst recht keine, die hohen Qualitätsanforderungen genügen soll. Beim Thema Pflege darf niemand niemandem Sand in die Augen streuen. Ehrlichkeit ist angezeigt!

Lesen Sie dazu auch:
Pflege wird zum Schlachtfeld zwischen Regierung und Opposition

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