Ärzte Zeitung online, 07.12.2010

Pflegebranche pocht auf Ergebnisse bei Minister Rösler

BERLIN (dpa). Angesichts des Mangels an Pflegekräften in Deutschland dringt die Branche auf konkrete Ergebnisse bei einem Spitzentreffen mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler. Vertreter der Branche, der Krankenkassen, der Kommunen und der Länder kommen am Dienstag, 7. Dezember um 13 Uhr mit Rösler zusammen, um Schritte gegen das Fehlen tausender Pflegekräfte zu beraten.

Der Deutsche Pflegerat pocht auf substanzielle Resultate. "Am Ende dieses Spitzengesprächs muss ein Fahrplan stehen, wie der Personalmangel in den Pflegeeinrichtungen in den nächsten Jahren beseitigt werden soll", sagte Präsident Andreas Westerfellhaus der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe).

Der Geschäftsführer der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, forderte: "Rösler muss zum Pflegeminister werden." Nötig seien Anreize, um mit guter Pflege Geld zu verdienen. "An schlechter Pflege verdienen zu viele zu gut", sagte Brysch der Nachrichtenagentur dpa. Als Beispiel nannte er die vielen Oberschenkelhalsbrüche bei Pflegebedürftigen, die zu einem Hin und Her zwischen Heimen und Kliniken führten. Beide Seiten verdienten letztlich daran. Das senke die Motivation, solche Missstände zu beheben.

Konkret schlug der Chef der Patientenschutzorganisation vor: "Wenn ein Heim unterdurchschnittliche viele Stürze oder weniger Drehtüreffekte zwischen Heim und Klinik aufweist, muss es Prämien geben."

Westerfellhaus sagte, nötig seien eine Verbesserung der Ausbildung und eine angemessene Vergütung der Pflegetätigkeit. Der Mindestlohn von 8,50 Euro in der Pflegebranche reiche nicht. Zugleich werde eine gesteuerte Zuwanderung ausländischer Pflegefachleute benötigt.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritisierte Rösler. Die immer zahlreicheren Pflegebedürftigen verschärften den Mangel weiter. "Seine Rezepte gegen den Notstand sind jedoch dürftig", sagte AWO- Vorstand Brigitte Döcker.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verwies auf die Leistungen der Kliniken und warnte vor Einschnitten bei den Klinikfinanzen. Pro Jahr würden an den deutschen Krankenhäusern 67 000 Pflegekräfte ausgebildet, 10 000 Kinderpflegekräfte sowie 2000 Hebammen und Geburtshelfer. "Wir würden uns sehr freuen, wenn die Politik diese Investitionen in die Zukunft weiter fördern würde", sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, der dpa.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts fehlen in 15 Jahren voraussichtlich 112. 000 Alten- und Krankenpfleger in Vollzeitanstellung.

Im Rösler-Ministerium werden unter anderem Spitzenvertreter von Pflegeverbänden, des Kassenverbands, des Verbands der Verbraucherzentralen, der kommunalen Spitzenverbände und der Gesundheitsministerkonferenz der Länder erwartet. Das Treffen soll zugleich Auftakt mehrerer Gesprächsrunden zur Vorbereitung der geplanten Pflegereform werden. Die Finanzen der Pflegeversicherung sollen zunächst nicht thematisiert werden.

Unmittelbar vor dem Treffen äußerte sich die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), verärgert über das Scheitern der Gespräche zum Pflege-TÜV. "Die Koalition wird über eine gesetzliche Änderung beraten", sagte sie der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe). "Wir sähen es selbstverständlich lieber, wenn sich die Partner der Selbstverwaltung noch kurzfristig in den Adventstagen besinnen. Ansonsten muss der Gesetzgeber eine Schiedsstellenlösung ins Gesetz schreiben."

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