Ärzte Zeitung online, 09.02.2011

Minister-Trio gegen Pflegekräftemangel

BERLIN (hom). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will gemeinsam mit den Ländern ein Maßnahmenpaket gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel in der Pflege schnüren.

Minister-Trio gegen Pflegekräftemangel

Rösler, Schröder und von der Leyen vor einer Kabinettssitzung: Gemeinsam mit den Ländern wollen sie gegen den Fachkräftemangel in der Pflege vorgehen.

© dpa

Das wurde nach einem Treffen Röslers mit seinen Kabinettskolleginnen für Arbeit und Familie, Ursula von der Leyen und Kristina Schröder (beide CDU) aus Regierungskreisen bekannt.

Die drei Minister seien entschlossen, die Kapazitäten bei der Pflege auszubauen, hieß es weiter. Dazu werde es in einem ersten Schritt Beratungen mit den Vorsitzenden der Landesministerkonferenzen für Gesundheit, Arbeit und Soziales, Kultus sowie Jugend und Familie geben.

In einem zweiten Schritt solle die Runde um Vertreter der Pflegeverbände und der Arbeitgeber erweitert werden.

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) soll den Informationen zufolge in die Gespräche einbezogen werden. Die Gespräche würden zeitnah stattfinden, hieß es.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes fehlen der Pflegebranche in Deutschland im Jahr 2025 mehr als 152.000 Beschäftigte.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der bundesweit rund 6000 ambulante wie stationäre Pflegeeinrichtungen vertritt, geht sogar davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 300.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht werden.

Um den personellen Engpässen in der Pflege beizukommen, hatte Rösler Ende vergangenen Jahres einen "Pflegedialog" mit Vertretern der Pflegebranche sowie der Pflegekassen und der Länder begonnen.

Durch eine Reform der bislang in drei Ausbildungsgänge zersplitterten Pflegeausbildung und bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern, Heimen und Pflegediensten soll der Pflegeberuf insgesamt attraktiver gemacht werden.

Gerade junge Menschen attestieren dem Berufszweig Pflege aktuellen Studien zufolge zwar eine große soziale Bedeutung, scheuen aber in der Mehrheit davor zurück, den Beruf zu ergreifen. Als häufige Gründe werden schlechte Arbeitsbedingungen und zu geringe Bezahlung genannt.

Der Deutsche Pflegerat (DPR) erklärte, die "Kooperation der drei Bundesminister" sei zu begrüßen. "Nach öffentlich ausgetragenen Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel der Minister im vergangenen Jahr, zeigen die Bundesminister für Gesundheit, Senioren und Arbeit nun gemeinsames Engagement für die Pflegeberufe", hieß es.

Nötig sei ein "tragfähiges Pflegesystem", so Pflegeratsvertreter. Dazu gehörten neben attraktiven Arbeitsbedingungen für die Pflegenden auch Modelle zur Unterstützung pflegender Angehöriger und neue Finanzmodelle zur Sicherung hoher Qualität in der Pflege.

Der Chef des Pflegeanbieterverbands bpa, Bernd Meurer, forderte unterdessen eine Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Der Nachrichtenagentur dpa sagte Meurer, der Beitragssatz müsse - über die bereits angepeilte Erhöhung aus demografischen Gründen hinaus - um weitere 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen. Derzeit liegt der Beitragssatz für die Pflegeversicherung bei 1,95 Prozent.

Meurer betonte, ohne Beitragserhöhung in der Pflegeversicherung lasse sich eine angemessene Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen nicht sicherstellen.

Deren Zahl werde in den kommenden 20 Jahren von derzeit 1,2 Millionen auf etwa 1,8 Millionen steigen.

Laut Meurer werden derzeit nur rund 700 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr für die besondere Betreuung von Demenz-Kranken abgerufen. Für eine angemessene Versorgung wären aber jährlich 3,6 Milliarden Euro nötig.

Auch die Ersatzkasse Barmer GEK hatte kürzlich in ihrem aktuellen Pflegereport auf spürbar höhere Pflegekosten in Folge einer wachsenden Zahl von Demenzkranken hingewiesen.

Die schwarz-gelbe Koalition hat für die laufende Legislaturperiode eine Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs angekündigt.

Dadurch sollen insbesondere Demenzkranke stärker als bisher von den Leistungen der Pflegeversicherung profitieren. Auch Angehörige sollen besser unterstützt werden.

Die für kommenden Montag geplante zweite Runde des "Pflegedialogs" bei Minister Rösler will sich den Belangen pflegender Angehöriger widmen.

In seinem Einladungsschreiben hatte Rösler betont, eine "gute Weiterentwicklung" der Pflegeversorgung sei ohne angemessene Berücksichtigung der Angehörigen und ihrer Anliegen nicht denkbar.

Der Sozialverband VdK rief die Bundesregierung auf, pflegende Angehörige bei der für dieses Jahr geplanten Pflegereform "angemessen" zu berücksichtigen.

Die Angehörigen müssten in die Lage versetzt werden, Pflege und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.

Dafür müssten sie mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung sowie bessere Versorgungs- und Beratungsangebote erhalten, betonte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher zum Start einer neue Kampagne des Verbands unter dem Motto "Pflege geht jeden an" in Berlin.

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