Ärzte Zeitung online, 14.02.2011

Rösler springt Deutschlands Pflegedienst Nummer eins zur Seite

BERLIN (hom). Pflegende Angehörige sollen künftig mehr Unterstützung erfahren. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) nach Gesprächen mit Spitzenvertretern von Pflege- und Sozialverbänden am Montag vor Journalisten in Berlin an.

Rösler springt Deutschlands Pflegedienst Nummer eins zur Seite

Pflegende Angehörige sind die größten Dienstleister im Pflegesystem, sagt Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler.

© dpa

Ziel der Koalition sei, pflegende Angehörige, die in aller Regel einen harten "Rund-um-die-Uhr-Job" erfüllten, zeitlich, organisatorisch, psychisch wie finanziell zu entlasten, betonte Rösler. Wichtig sei zudem eine größere gesellschaftliche Anerkennung dessen, was Angehörige für pflegebedürftige Partner oder Verwandte täglich leisteten. "Sie sind die größten Dienstleister im Pflegesystem", stellte Rösler klar.

Um Angehörige bei ihrer Pflegearbeit stärker zu entlasten, seien unter anderem Kuren nach dem Vorbild der Mutter-Kind-Kuren geplant. Über Finanzierungsmodelle werde er in Kürze mit den Pflegekassen sprechen. Zudem müssten Pflegezeiten bei der Rente stärker angerechnet werden, so Rösler.

Grundsätzlich ließen sich aber nicht alle "Wünsche" der Angehörigen realisieren. "Nicht alles, was wünschenswert ist, wird auch finanzierbar sein." Die Beratungen mit den Verbänden dienten als Grundlage für die Eckpunkte zur geplanten Pflegereform. Die Eckpunkte werde die Koalition "bis Mitte des Jahres" vorlegen, betonte Rösler.

Pflege- und Patientenvertreter reagierten enttäuscht. Stefan Etgeton vom Bundesverband der Verbraucherschützer sagte, er erwarte am Ende eher ein "Reförmchen als eine Reform". Umgesetzt werde wohl all das, "was nicht mehr Geld kostet".

Vertreter der Pflegekassen betonten, es sei gut, dass der Minister mit seinem aktuellen Vorschlag die Bedeutung der Entlastung pflegender Angehöriger noch einmal betont habe. "Es ist eine gemeinsame Aufgabe der Pflegeinstitutionen, der Pflegekassen und der Politik, über weitere Entlastungsmöglichkeiten nachzudenken und diese dann auch zügig umzusetzen", so Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands.

Dabei sollte auch geprüft werden, "ob eine gemeinsame Rehabilitationsmaßnahme von Angehörigen und Pflegebedürftigen in Anlehnung an die sogenannte Mutter-Vater-Kind-Kur der richtige Weg wäre oder ob die jetzt beginnende Debatte vielleicht andere Ideen hervor bringt, wie pflegende Angehörige noch besser unterstützt werden können ", so Kiefer.

Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung forderte von der Politik eine "Entbürokratisierung der Pflege" durch Angehörige. "Dass es immer noch Ärzte sein müssen, die die Rezepte für Pflegehilfsmittel ausstellen, ist nicht mehr zeitgemäß." Sinnvoller sei, diese Aufgabe Pflegediensten zu übertragen, so Brysch.

Pflegende Angehörige müssten auch finanziell gestärkt werden. "Sie sollten auf jeden Fall 50 Prozent des Pflegegeldes einbehalten dürfen, selbst wenn sie den Pflegebedürftigen vom ambulanten Dienst versorgen lassen." Zurzeit werden Pflegegeld und Finanzierung des Pflegedienstes miteinander verrechnet.

Derzeit sind rund 2,3 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, gut zwei Drittel von ihnen wird zu Hause betreut.

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