Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Modellprojekt für pflegende Angehörige geht ins Netz

BERLIN (run). Pflegende Angehörige überschätzen leicht ihre Kräfte und erkennen Überforderung erst spät. Das neue Online-Beratungsangebot pflegen-und-leben.de bietet nun ein psychologisches Beratungsangebot für betroffene Angehörige.

Modellprojekt für pflegende Angehörige geht ins Netz

Überforderung bei der Pflege von Angehörigen? pflegen-und-leben.de bietet online psychologische Beratung und Unterstützung.

© Yuri Arcurs / shutterstock

Das Modellprojekt, das von der gemeinnützigen Berliner Einrichtung Catania betreut und durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, verfolgt das Ziel, die pflegenden Angehörigen emotional zu entlasten. Die Prävention häuslicher Gewalt in der Pflege ist ein weiteres zentrales Anliegen, wie Catania mitteilt.

"Pflegende Angehörige leisten großartige und verantwortungsvolle Arbeit. Es ist uns sehr wichtig, sie dabei zu unterstützen", so Staatssekretär Josef Hecken zur Einrichtung des Portals.

"Pflege ist keine leichte Aufgabe. Daher können pflegende Angehörige an ihre eigenen Grenzen kommen. Das Angebot von pflegen-und-leben.de kann dann eine nützliche Hilfe sein. Denn nur, wem es selbst gut geht, kann auch mit voller Kraft für jemand anderen da sein."

Online-Beratung - anonym und kostenfrei

Kernstück der neuen Internetplattform ist daher eine persönliche psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige bei seelischer Belastung - anonym und kostenfrei.

Der Zugang zur Online-Beratung ist einfach: Nach der Einrichtung eines anonymen Benutzerkontos können pflegende Angehörige ihre Fragen und Sorgen an das geschulte Psychologinnen- und Psychologen-Team richten, das zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Gemeinsam wird dann mit den Ratsuchenden an individuellen Lösungen gearbeitet, die den seelischen Druck aus dem Pflegealltag nehmen.

Das niedrigschwellige Online-Angebot versteht sich nach eigenen Angaben als fachkompetenter Beistand, wenn den Angehörigen die Zeit fehlt oder die Hemmschwelle für ein persönliches Gespräch in einer Beratungsstelle vor Ort zu groß ist.

"Die Anonymität der Kommunikation erleichtert es vielen, auch schambesetzte und tabuisierte Aspekte zu thematisieren", erklärt Psychologin und Projektleiterin Imke Wolf.

www.pflegen-und-leben.de und www.catania-online.org

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