Ärzte Zeitung, 11.08.2011

KV-Chef John: Bei Delegation ein Beispiel an VERAH nehmen

Im Streit um die Neuorientierung der Pflege prallen Gegensätze aufeinander. Sachsens KV-Chef Dr. Burkhard John: "Es muss Veränderungen geben, aber vernünftige."

MAGDEBURG (zie). Die KV Sachsen-Anhalt (KVSA) setzt auf ein sinnvolles Miteinander zwischen Ärzten, medizinischen Fachangestellten und Pflegenden. Allerdings hält KV-Chef Dr. Burkhard John es für falsch, die Versorgung von Wund-, Schmerz- oder Diabetespatienten voll Pflegekräften zu übertragen.

Einzelne Krankheiten für die Delegation ärztlicher Tätigkeiten auszuwählen sei absurd und wirke sich negativ auf die Qualität aus. Vernünftig, und im Zuge der sich verändernden Patientenstruktur auch notwendig, seien Teamlösungen. "Werden derzeit in Hausarztpraxen noch zwischen 40 bis 45 Prozent alte und multimorbide Patienten behandelt, werden es künftig über 60 Prozent sein", sagte John.

Dies erfordere komplexe Lösungen. Klar definiert werden müsse, wer welche Aufgaben im Team übernimmt und wer das Team leitet. Das kann nach Meinung von John nur der Arzt sein, denn nur er habe den Gesamtüberblick. Gemeinsam von Pflege und Medizin initiierte Modellprojekte könnten zugleich vor Konfrontationen schützen. "Wir müssen neue Schnittstellen vermeiden und dürfen weitere Reibungs- und Informationsverluste nicht zulassen."

John verweist auf das VERAH-Projekt (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis), das die KVSA zusammen mit dem Hausärzteverband umsetzt und das in Sachsen-Anhalt sehr erfolgreich läuft. Die dort praktizierte gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten und medizinischen Fachangestellten könne durchaus als Basis für solche Modelle dienen. Im Bundesland arbeiten heute 330 qualifizierte VERAHs bei 320 Ärzten in 263 Praxen.

Ihre Aufgaben seien klar festgelegt und setzten ein hohes Maß an Selbstständigkeit voraus. "Statt uns an positiven Beispielen zu orientieren, erleben wir bei der Diskussion um die Einbindung der Pflege gegenwärtig einen Kampf gegeneinander", sagte John.

Jeder versuche, seine Auffassungen durchzusetzen: "Was wir brauchen, sind Lösungen, mit denen beide Seiten leben können, die dem Aufbau sinnvoller Versorgungsstrukturen und dem Interesse der Patienten dienen." Aus dem Gegeneinander müsse ein Miteinander werden.

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