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Ärzte Zeitung online, 06.11.2011

Regierung bei Pflege unter hohem Erwartungsdruck

Vor Beginn der Koalitionsgespräche zur Pflegereform ist der Einigungsdruck auf die Regierungsparteien so groß wie nie zuvor. Tausende Menschen hätten hohe Erwartungen, dass sich ihre Lebenslage verbessert, so ein Regierungsberater. Er warnt vor einer riesigen Enttäuschung, falls die Einigung misslingt.

BERLIN (dpa). Der Sozialexperte Jürgen Gohde, dem eine Schlüsselrolle bei der geplanten Pflegereform zukommen soll, hat die Koalition eindringlich zu einer Einigung aufgefordert.

"Es sind Tausende von Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen, die große Erwartungen haben, dass sich ihre Lebenslage verbessert", sagte der Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

An diesem Sonntag will die Koalition ihren Streit um die Finanzierung der Pflegereform bei einem Spitzentreffen nach Möglichkeit ausräumen.

Gohde: Gefahr einer riesigen Enttäuschung

"Aus diesem Grund wünsche ich der Koalition eine glückliche Hand bei der Reform", sagte Gohde. "Sollte sie hinter den Erwartungen und dem Handlungsdruck zurückbleiben, die auch vom angekündigten 'Jahr der Pflege‘ herrühren, wird eine riesige Enttäuschung die Folge sein."

Mit diesem Schlagwort hatte Philipp Rösler (FDP) in seiner Zeit als Gesundheitsminister die Reform angekündigt.

Vorschläge bereits 2009 vorgelegt

Gohde ist Chef eines Regierungsbeirats zur Pflege, der schon für die Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) aktiv war und den auch Amtsinhaber Daniel Bahr (FDP) wieder einsetzen will.

Das Gremium soll Details für eine umfassende Besserstellung der immer zahlreicheren Demenzkranken in Deutschland ausarbeiten - sie gehen heute bei Pflegeleistungen oft leer aus. Entsprechende Vorschläge hatte der Beirat bereits 2009 vorgelegt.

Kommen fünf Grade der Bedürftigkeit?

Die heute drei Pflegestufen sollen dabei durch fünf Grade der Bedürftigkeit ersetzt werden - je nach Selbstständigkeit. Seither hatten Politiker und Experten immer wieder eine Umsetzung angemahnt.

Doch die technischen Details sind laut Bahr und Gohde so kompliziert, dass der Beirat nochmals tagen müsste.

2,4 Millionen Demente bis 2060 geschätzt

Der Experte sagte mit Blick auf das Spitzentreffen der Koalition: "Ich hoffe, dass bei diesem Gespräch etwas herauskommt. Die Arbeit des Beirats wird davon abhängen."

Von den rund 1,2 Millionen Altersverwirrten werden etwa 750.000 mit geringer Hilfe zu Hause gepflegt. Familienangehörige sind oft überlastet. Bis 2060 erwarten Experten 2,5 Millionen Demente.

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