Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

Pflege: Zeitnot geht auf die Nerven

HAMBURG (di). Zeitnot und Personalmangel auf den Pflegestationen wirken sich auf Patienten aus. Viele deutsche Pflegekräfte sind unzufrieden. Dies berichtete Britta Zander auf dem neunten Gesundheitspflegekongress von Springer Medizin in Hamburg.

Die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität Berlin stellte auf dem Kongress erstmals Ergebnisse einer Studie zur impliziten Rationierung von Pflegeleistungen vor.

Für die Studie hat ein Forscherteam der TU in 13 Kliniken über 600 examinierte Pflegekräfte auf den chirurgischen und inneren Stationen befragt.

Die Studie ist die erste systematische Erfassung von Pflegeleistungen, die aufgrund von Zeitnot und Personalmangel nur ungenügend ausgeführt werden können. Als Folge dieser Defizite kommt laut Zander die emotionale Unterstützung von Patienten am ehesten zu kurz.

Weitere Folgen sind mangelnde Mobilisierung von bewegungseingeschränkten Patienten und kürzere Gespräche mit Angehörigen. Außerdem leidet die Überwachung von Patienten.

Arbeitsumgeben schlecht bewertet

Die Befragung ergänzt die internationale RN4Cast-Studie (Registered Nurse Forecasting), die bislang umfangreichste Datensammlung im Bereich der Pflegepersonalplanung, an der zwölf europäische Länder und 31000 Pflegekräfte teilgenommen haben.

Auch die aktuellen Ergebnisse für Deutschland aus der Studie wurden präsentiert. Unerledigte Arbeit, schlechter Personalschlüssel, Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation und der Arbeitsumgebung sowie eine hohe Burnout-Rate wurden mit der Studie nachgewiesen.

Über die Hälfte der deutschen Pflegekräfte bewertete ihre Arbeitsumgebung als schlecht oder mäßig, 37 Prozent sind mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden, 30 Prozent leiden unter emotionaler Erschöpfung.

Die schlechten Ergebnisse korrelieren mit einem ungünstigen Personalschlüssel. Mit über zehn Patienten, für die eine Pflegekraft zuständig ist, schneidet Deutschland neben Spanien von allen Ländern am schlechtesten ab.

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