Ärzte Zeitung online, 08.12.2011

Singhammer: EU verschärft Pflegenotstand

BERLIN (sun/dpa). Der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer hat vor zunehmenden Engpässen beim Pflegepersonal in Deutschland durch geplante EU-Vorgaben gewarnt.

"Die EU-Kommission will, dass nicht mehr zehn, sondern zwölf Schuljahre zur verpflichtenden Voraussetzung für Gesundheitsberufe werden", sagte Singhammer der "Ärzte Zeitung".

Allerdings seien zehn Jahre genug. In der ohnehin schon schwierigen Situation, ausreichend viele Pflegefachkräfte zu finden, sei es völlig "absurd", das Gesetz zu verschärfen.

Die geplante Heraufsetzung der Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildung ist Teil der derzeitigen Überarbeitung der EU-Richtlinie zu den Berufsqualifikationen.

"Eine Akademisierung der Pflege halten wir für unnötig", betonte Singhammer nach Gesprächen mit EU-Gesundheitskommissar John Dalli gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Er habe bei Dalli die Zusage erreicht, dass dieser in der Kommission beim zuständigen Binnenmarktkommissar Michel Barnier die deutsche Position einbringe.

"Die Attraktivität des Pflegeberufs zu stärken, ist notwendig", sagte der CSU-Politiker. "Doch wir wollen das durch eine bessere Bezahlung und bessere Aufstiegschancen erreichen."

Laut Branchenverbänden fehlen bereits heute zehntausende Pflegekräfte in Deutschland.

[09.12.2011, 10:39:53]
Christof Oswald 
Böses Erwachen oder - Wer zu spät kommt ...
Aber Herr Singhammer, da kommen wir ja richtig in Wallung. Doch Sie werden es schon richten und den EU-Irrsinn stoppen. Nicht zu stoppen ist hingegen, dass Deutschland EU-Schlusslicht in Sachen Pflege bleibt. EU-weit ist eine akademische Pflegeausbildung längst der Standard, während unsere Politik gerade erst den Pflegeausbildungszugang von der Mittleren Reife auf Hauptschulniveau abgesenkt hat, wie modern. Da kommt die geplante Richtlinie wirklich ungelegen.

Groteskerweise existiert die akademische Pflege auch in Deutschland, wenn auch als unerwünschtes Kind. Leider beginnen diese Akademiker auch noch selbstständig zu denken und Forderungen, wie nach einer Pflegekammer, zu stellen. Das geht entschieden zu weit. Am Ende würde eine professionalisierte Pflege sich auch noch daran machen die gesellschaftliche Jahrhundertaufgabe der Pflegebedürftigkeit zu lösen. Am Ende würde auf diese Weise der Pflegeberuf wieder aktraktiver. Und am Ende würde das auch noch Geld kosten. Nein, das geht entschieden zu weit!

Doch keine Angst, solange die Singhammers der Gesundheitspolitik die Weichen stellen, wird schon nichts passieren, da dürfen wir ganz beruhigt sein. Ach da war doch etwas? Das FDP-Jahr der Pflege 2011? Aber da ist zum Glück ist ja auch nichts passiert.

Christof Oswald, Nürnberg
Dipl. Pflegemanager (FH)
Hochschuldozent für Pflege
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